Belgrad - Im mehrheitlich albanisch bewohnten Teil Südserbiens brodelt es wieder. Die Albanerführer in den drei Gemeinden Presevo, Medvedja und Bujanovac haben am Samstag offiziell einen Autonomiestatus für die Region verlangt. In einer gemeinsamen Erklärung wurden unter anderem der Abzug der serbischen Streitkräfte und der Polizei und die Bildung einer speziellen Grenzpolizei gefordert. Außerdem sollten die drei Gemeinden "besondere Beziehungen" zu der mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz Kosovo erhalten, die seit 1999 unter UNO-Verwaltung steht.

"Unveränderbarkeit der Grenzen"

In den drei Gemeinden leben nach offiziellen Angaben rund 58.000 Albaner. Die albanischen Volksgruppe gibt die Zahl ihrer Angehörigen mit etwa 70.000 an. Im Frühjahr 2001 hatten albanische Extremistengruppen in der Region, die "Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac" (UCPMB), monatelang gewaltsam für den Anschluss der drei Gemeinden an das Kosovo gekämpft. Die Krise konnte damals unter EU-Vermittlung beigelegt werden.

Die Erklärung vom Samstag bekräftigt die bereits bei einem im März 1992 abgehaltenen Referendum aufgestellten Forderungen der Gemeindebürger, die von Belgrad aber nie anerkannt wurden. Eine Autonomie in Südserbien wäre für die albanische Volksgruppe "annehmbar, falls bei der Entscheidung über den künftigen Status des Kosovo das Prinzip der Unveränderbarkeit der Grenzen" beachtet werde, heißt es es. Sollte dies nicht der Fall sein und das Kosovo unabhängig oder in einen serbischen und albanischen Teil aufgespaltet werden, wolle die albanische Volksgruppe im Süden Serbiens "entsprechende Schritte im Einklang mit den Referendumsergebnissen" treffen. Im Jahre 1992 hatten sich die Albaner in Südserbien mehrheitlich für den Anschluss der drei Kommunen an das Kosovo ausgesprochen.

Autonomie

Die geforderte Autonomie bezieht sich auf die Lokalverwaltung, Justiz, Bildung, Kultur, Sprachgebrauch und anderes mehr. "Solange nicht eine entsprechende dauerhafte Lösung für die Albaner in Presevo-Tal gefunden ist, wird diese Region, realistisch gesehen, ein ungelöster Krisenpunkt im euroatlantischen Integrationsprozess bleiben", heißt es laut der Presseagentur Fonet in der Erklärung der Albaner-Führer. (APA)