Wolfsburg - In der deutschen VW-Affäre ist Vorstandschef Bernd Pischetsrieder schon früher als bisher bekannt über verdächtige Machenschaften des ehemaligen Skoda-Personalchefs Helmuth Schuster informiert gewesen. Pischetsrieder habe bereits im Oktober 2004 einen Untersuchungsbericht seiner Revision erhalten, bei dem es um die mögliche Veruntreuung von Konzerngeldern in Millionenhöhe durch Schuster ging, berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der Wirtschaftsprüfer KPMG. Acht Monate später wurde Schuster, der als Schlüsselfigur in der Affäre gilt, entlassen.

"Es trifft zu, dass diese Information vorlag", bestätigte am Samstag ein VW-Sprecher in Wolfsburg. "Aber es handelte sich zu diesem Zeitpunkt nur um einen Puzzlestein. Sobald ein Gesamtbild zu erkennen war, hat Herr Pischetsrieder gehandelt."

Geld aus Pensionsfonds

Einem Bericht der Wirtschaftsprüfer KPMG zufolge hatte die VW-Revision einen Hinweis der Deutschen Bank erhalten, ein als betrügerisch bekannter Finanzvermittler habe 100 Millionen Euro anlegen wollen. Das Geld stammte danach aus dem von Schuster verwalteten VW-Pensionsfonds.

Die VW-Kontrolleure gingen dem Bericht zufolge dem Verdacht nach, ob Schuster mit den Rücklagen der VW-Mitarbeiter spekulative Geschäfte betreiben wollte. VW habe die geplante Transaktion schließlich gestoppt und Schuster zur Rede gestellt. Dieser jedoch habe seine Unschuld beteuert, berichtet der "Focus". Pischetsrieder habe Schuster ermahnt und die Untersuchung daraufhin eingestellt.

Es habe damals keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass Schuster "im Eigeninteresse hatte handeln wollen oder seine Vertrauensposition anderweitig missbrauchte", sagte der VW-Sprecher. (APA/dpa)