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Gregor Gysi (links), Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, Hans Modrow (Mitte), letzter kommunistischer Ministerpräsident der DDR, Oskar Lafontaine (rechts), Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, von links, legen zusammen mit hunderten von Sozialisten an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde Blumen und Kraenze nieder.

Foto: AP/Markus Schreiber
Berlin - Tausende Menschen haben am Sonntag in Berlin der ermordeten Sozialistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht. Rund 10.000 Teilnehmer legten nach Polizeiangaben am Vormittag an der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde Kränze und rote Nelken nieder. Unter ihnen waren der Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky, sowie die Chefs der Bundestagsfraktion Gregor Gysi und Oskar Lafontaine. Auch der frühere DDR-Staats- und Parteichef Egon Krenz sowie der letzte DDR-Ministerpräsident der SED, Hans Modrow, nahmen teil.

Der frühere SPD-Chef Lafontaine war zum ersten Mal zu der Demonstration gekommen. Er sagte: "Es ist selbstverständlich, dass ich hier bin." Er sei schon vor der Wende in der DDR einmal von der SED-Führung unter Honecker eingeladen worden, habe damals aber abgelehnt. Heute nehme er gern teil. Luxemburg und Liebknecht seien große Figuren der Arbeiterbewegung. Liebknecht habe sich nicht zuletzt durch seinen Widerstand gegen den Krieg verdient gemacht. Luxemburg habe sich für geistige Freiheit und soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Die beiden Sozialistenführer waren 1919 in Berlin von Freikorps- Soldaten getötet worden.

Gysi betonte: "Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren Leute, auf die ganz Deutschland stolz sein darf, auch wenn man ihre Auffassungen nicht teilt." Die beiden KPD-Mitbegründer Luxemburg und Liebknecht seien den größten Teil ihres Lebens Sozialdemokraten gewesen. Sie seien dafür eingetreten, die Kluft zwischen Arm und Reich zu beseitigen, die in den vergangenen Jahren in Deutschland wieder größer geworden war. "Das macht sie auch heute sehr aktuell". Im Gegensatz zu DDR-Zeiten kämen die Menschen heute freiwillig zu der Ehrung, betonte Gysi.

Zu DDR-Zeiten staatliches Gedenken

In der DDR gehörte das staatliche Gedenken an Luxemburg und Liebknecht zum festen Bestandteil des politischen Lebens. Angeführt von der Staats- und Parteiführung pilgerten Mitte Jänner Hunderttausende zu der Gedenkstätte, in der neben Liebknecht und Luxemburg auch DDR-Staatsgründer Walter Ulbricht und andere führende Vertreter der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung begraben sind.

1988 versuchten DDR-Bürgerrechtler und Ausreisewillige unter der Luxemburg-Losung "Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" an der Demonstration teilzunehmen. Sie wurden von einem massiven Aufgebot der DDR-Staatssicherheit daran gehindert und zu Hunderten festgenommen. (APA/dpa/Reuters)