New York - Die Übernahme-Dauerschlacht um den amerikanischen Medizintechnik-Konzern Guidant hat sich zugespitzt. Der US- Pharma- und Konsumgütergigant Johnson & Johnson (J&J) hat seine Übernahmeofferte um rund eine Milliarde Dollar auf 24,2 Milliarden Dollar (20 Mrd. Euro) erhöht. Der Guidant-Verwaltungsrat stimmte dieser neuen J&J-Offerte in der Nacht zum Samstag zu. J&J-Konkurrent Boston Scientific, der eine deutliche höhere Offerte von rund 25 Milliarden Dollar präsentiert hat, will nach Brancheninformationen dennoch nicht aufgeben.

J&J hat 40,52 Dollar in bar und 0,493 eigene Aktien je Guidant- Anteil geboten, teilten die beiden Unternehmen mit. Nach derzeitigen Aktienkursen ist das J&J-Angebot 71 Dollar je Guidant-Aktie wert. Die Guidant-Aktien notierten zu Wochenschluss mit 70,84 Dollar.

Erhöhen oder aufgeben

Nun ist Boston Scientific wieder am Zug. Das Unternehmen hatte am Donnerstag seine Offerte um einen Dollar auf 72 Dollar je Guidant-Aktie - das entspricht insgesamt rund 25 Milliarden Dollar - aufgestockt. Boston Scientific kann jetzt entweder ein höheres Angebot machen oder den Guidant-Übernahmeversuch aufgeben. Die Gesellschaft könnte sich aber auch direkt an die Aktionäre der Guidant Corporation wenden, um über eine Umbesetzung des Guidant-Verwaltungsrates doch noch eine Annahme der jüngsten Offerte zu erzwingen. Auf dem New Yorker Börsenparkett wird ein weiteres Boston-Scientific-Angebot erwartet.

Guidant-Konzernchef James Cornelius sagte zur Annahme der deutlich niedrigeren J&J-Offerte: "Dieses Abkommen bietet den Aktionären erhebliche finanzielle Werte und Sicherheit." Gemeinsam mit J&J habe man die Mittel, um die bestehenen Guidant-Geschäfte weiter auszubauen. Die Guidant-Aktionäre sollen am 31. Jänner über das J&J-Angebot abstimmen. Es liegen bereits sämtliche kartellrechtlichen Genehmigungen für den Kauf von Guidant durch J&J vor.

Dagegen stehen die potenziell langwierigen wettbewerblichen Prüfungen bei einem Zusammenschluss mit Boston Scientific noch aus. Deshalb hatte Boston Scientific betont, man sei bereit, alle sich überschneidenden Geschäftsbereiche abzustoßen. Außerdem hatte das Unternehmen den Guidant-Aktionären für eine mögliche längere Wartezeit eine leichte Anhebung der eigenen Offerte versprochen.

Lukrative Herschrittmacher

J&J und Boston Scientific sind vor allem an dem wichtigen Guidant-Geschäft mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren interessiert. Guidant ist in dem schnell wachsenden Zehn-Milliarden-Dollar-Markt hinter der US-Firma Medtronic immer noch die Nummer Zwei, obwohl Produktrückrufe einen deutlichen Rückgang des Guidant-Marktanteils auf rund ein Viertel verursacht hatten.

Guidant hat aber auch eine innovative Stent-Sparte. Stents sind winzige Röhrchen, die in verkalkte Arterien eingesetzt werden, um Herz- und Schlaganfälle zu verhindern. Boston Scientific und J&J dominieren momentan das Stent-Geschäft. Boston Scientific will die Guidant-Stent-Sparte bei einem erfolgreichen Kauf an den großen Pharma-Konzern Abbott Laboratories für 3,8 Milliarden Dollar verkaufen. (APA/dpa)