Wien - Die Befragung von zwei syrischen Persönlichkeiten im Zusammenhang mit dem Mord am ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri in der Wiener UNO-City ist am Montagabend zu Ende gegangen. Das sagte der syrische Botschafter in Österreich, Safwan Ghanem, gegenüber der APA. Mitglieder der vom UNO-Sicherheitsrat eingesetzten Kommission zur Untersuchung des Mordfalls hatten die Syrer am Montag in Wien befragt.

General Ghazali verhört

Nach Angaben des Botschafters handelt es sich dabei um den früheren Chef des syrischen Militärgeheimdienstes im Libanon, Generalleutnant Rustom Ghazali, und dessen seinerzeitigen Stellvertreters, Ex-Oberst Samih Kachami. Sowohl Ghazali als auch Kachami waren bereits im vergangenen Dezember von den UNO-Ermittlern in Wien angehört worden.

General Ghazali wurde zuletzt durch den syrischen Ex-Vizepräsidenten Abdelhalim Khaddam schwer belastet. Khaddam hatte Ghazali unter anderem beschuldigt, 35 Millionen US-Dollar aus der libanesischen "Al-Madina"-Bank abgezweigt zu haben. Das Bankhaus machte vor zwei Jahren Bankrott. Der General habe "mit absoluter Machtvollkommenheit" im Libanon geherrscht, hatte der in Paris lebende Khaddam dem TV-Sender "Al-Arabiya" gesagt.

Abzug von syrischen Truppen

Hariri war am 14. Februar 2005 bei der Explosion einer Autobombe in der libanesischen Hauptstadt ums Leben gekommen. 22 weitere Menschen verloren dabei das Leben. Die durch das Attentat erzeugte politische Dynamik und internationaler Druck führten im April zum Abzug der syrischen Truppen aus dem kleinen Nachbarland nach 29 Jahren.

Ghazali, der den militärischen Geheimdienst Syriens im Libanon bis zum Abzug der syrischen Truppen im April geleitet hatte, war von den UNO-Ermittlern unter Leitung des deutschen Oberstaatsanwalts Detlev Mehlis beschuldigt worden, in die Ermordung des früheren libanesischen Premiers verwickelt gewesen zu sein. Neuer UNO-Chefermittler als Nachfolger von Mehlis ist der Belgier Serge Brammertz, stellvertretender Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. (APA