Das gelebte Nike-Prinzip "Just do it": Klaus Beyer singt Beatles auf Deutsch - weil und wie es ihm gefällt.

Foto: Rottenberg
Kostüme I: Sergeant Pepper Ein bisserl mulmig, gab Thomas Edlinger zu, als er Freitagabend im "Echoraum" grinsend "Wir leben in einem gelben Unterwasserboot" mitsang, sei ihm auch heute noch. Aber vor mittlerweile zehn Jahren, so der FM4-Sumpfblütler, habe er mehr Skrupel gehabt - beim Lachen nämlich: Damals war der Berliner Beatles-Nachsänger Klaus Beyer zum ersten Mal in Wien. Und so grandios komisch Beatles auf deutsch im Auto-Karaoke-Kopfstimmen-Modus und Filme auf trashiger Super-8-Basis auch sind, war (und ist) da immer der schale Beigeschmack, dass man doch eigentlich über Beyers Unvermögen, sich gängigen Standards nur peripherst zu nähern, lacht. Andererseits: Der ehemalige Kerzenzieher, der ab heute in Christoph Schlingensiefs "Area 7" im Burgtheater auftritt, setzt sich dem ja freiwillig und seit Jahren aus - und genießt seinen Kultstatus offensichtlich: Auch Viennale-Chef Hans Hurch freute sich über "Lass es sein"-Choräle - und Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny war auch hier - zum ersten Mal, wie die Saalbetreiber (ein Fixpunkt der Experimentalmusiklandschaft) anmerkten. Kostüme II: "...'nen Cowboy als Mann" Wie fein es Karl-Heinz Grasser in Kitz hat, verriet die Sonntags-Krone. Das freut den Minister. Denn die Gunst der Muthgasse ist im anstehenden Wahlkampf, in dem Politiker verstärkt in die "unpolitischen" Bussi-Bussi-Spalten drängeln werden, kein echter Nachteil - zumal Grassers Erklärung zu politischer Geradlinigkeit (die es immerhin in deutsche Klatsch-TV-Sendungen schaffte) freundlich ausgespart blieb: "In der Politik ist man einmal der Blutsbruder von dem einen, einmal der Blutsbruder von dem anderen - Hauptsache man gewinnt immer." Wieso manche Leute damit (und noch viel mehr) tatsächlich durchkommen, brachte aber Al Bundys (TV-)Tochter Kelly vor Jahren auf den Punkt: "Wir dürfen das, denn wir sind gut aussehend." (DER STANDARD-Printausgabe, 17.01.2006)