Moskau/Peking - Russland hat sich am Dienstag gegen Sanktionen im Atomstreit mit dem Iran ausgesprochen. Solche Zwangsmaßnahmen seien nicht der beste Weg, um den Iran davon zu überzeugen, die internationalen Bedenken über sein Atomprogramm auszuräumen, sagte Außenminister Sergej Lawrow laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Sanktionen können vom UNO-Sicherheitsrat verhängt werden, vor den die USA und die Europäische Union (EU) den Streit bringen wollen. Die EU hat Diplomaten zufolge die ersten konkreten Schritte dafür eingeleitet. China forderte unterdessen eine Wiederaufnahme von Verhandlungen mit dem Iran.

Sondersitzung

Die EU drängt auf eine Sondersitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) Anfang Februar. Sie kann beschließen, den Fall an den Sicherheitsrat zu überwiesen, der sich laut UNO-Charta mit Gefahren für den Weltfrieden befassen soll.

Russland hat sich bisher dem Drängen der USA sowie der drei EU-Länder Deutschland, Großbritannien und Frankreich widersetzt, den UNO-Sicherheitsrat einzuschalten. Allerdings hatte Präsident Wladimir Putin am Montag gewarnt, seine Regierung verliere langsam die Geduld mit dem Iran, nachdem dieser vergangene Woche Atomarbeiten wieder aufgenommen hatte. Zugleich sprach er sich gegen abrupte und falsche Schritte aus.

Karren vor dem Pferd

In dieselbe Kerbe schlug nun Lawrow. "Mit der Frage von Sanktionen gegen den Iran wird der Karren vor das Pferd gespannt", sagte er, "Sanktionen sind in keiner Weise der beste oder der einzige Weg, das Problem zu lösen." Er wies darauf hin, dass jahrelange Sanktionen gegen den Irak die Haltung des damaligen Machthabers Saddam Hussein auch nicht geändert hätten.

Russland zählt zu den engsten Verbündeten des Irans und war am Bau des ersten Atomreaktors in der Islamischen Republik beteiligt. Im Sicherheitsrat kann Russland jede Entscheidung mit einem Veto blockieren.

Über ein Veto verfügt auch China. Das Land forderte sowohl den Iran als auch die Staaten des Westens auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Auf die Frage, wie sich China verhalten werde, wenn der Konflikt vor den Sicherheitsrat komme, ging das Außenministerium in Peking nicht ein. "Die chinesische Regierung hält eine friedliche Lösung der iranischen Atomfrage durch diplomatische Verhandlungen unter den gegebenen Bedingungen für eine gute Option im Interesse aller Beteiligten", sagte ein Ministeriumssprecher. (APA/Reuters)