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Chirac als Reibebaum der UDF? Parteichef Bayrou will davon nichts wissen.

REUTERS/Regis Duvignau
Paris - Den Rücktritt des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac hat der zentrumsbürgerliche Parlamentsabgeordnete und ehemalige Chef der Fluggesellschaft "Air France", Christian Blanc, Vertreter der Regierungspartei UDF, gefordert. Der Staatschef befinde sich "außerhalb der Realität" und solle durch seinen Amtsverzicht dem Land "Elan und Dynamik verleihen", sagte Blanc im Pariser Radiosender "France Inter". "Die Franzosen hören nicht mehr auf ihn, was ziemlich schlimm ist. Er hat in einem Augenblick starken Sturms keine Legitimität mehr", betonte Blanc und fügte hinzu: "Chirac wiederholt seit 2002 die Wahlniederlagen. Er nimmt eine Hypothek auf die ganze Aktion seiner Regierung auf."

UDF-Chef Francois Bayrou distanzierte sich im "Radio RTL" von den Forderungen seines Parteifreundes und rief ihn auf, "den republikanischen Wahlkalender zu respektieren". Die französische Präsidenten- und Parlamentswahl stehen im Frühjahr 2007 auf dem Programm.

Blanc rechtfertigte seine Haltung damit, dass er "laut sagt, was viele im Stillen denken". "Ich bin ein Republikaner, und ich bin für den Respekt der Termine", hielt Bayrou dem Argument entgegen. Kritik übte Bayrou auch an Erziehungsminister Gilles de Robien, der als einziger UDF-Politiker Mitglied der bürgerlich-konservativen Regierung von Premierminister Dominique de Villepin (UMP) ist. "Wenn man davon ausgeht, dass man in der Regierung oder in der Opposition sein muss, so heißt das, das es nur eine politische Alternative in Frankreich gibt: die UMP oder die Sozialisten", betonte Bayrou und fügte hinzu: "Es gibt aber Millionen Franzosen, für die diese Wahl bereits eine Niederlage ist."

Bayrou machen innerhalb seiner Partei immer mehr abweichende Stimmen von seiner Parteilinie zu schaffen. Während der UDF-Chef darauf beharrt, seine Partei als "dritten Weg" neben Rechts und Links zu etablieren, drängen de Robien und dessen Anhänger auf ein klares Bündnis mit der UMP unter Führung von Innenminister Nicolas Sarkozy. Die UDF hält Ende Jänner in Lyon ihren Parteitag ab. Auch Sarkozy war zuletzt mit kaum verhüllter Kritik an Chirac an die Öffentlichkeit getreten. (APA)