Klimts "Landhaus am Attersee": 2001 restituiert, 2003 bei Sotheby's für den Weltrekord von brutto etwas mehr als 29 Millionen Dollar in New York versteigert.

Foto: Sotheby's
Wien - Ein selbst erwählter Maulkorberlass ist in diesen Stunden allen international renommierten Auktionshäusern gemein. Weder Christie's noch Sotheby's wollen sich zu Expertenschätzungen bezüglich der fünf Klimt-Gemälde hinreißen lassen. Die bisher verlautbarten Schätzwerte kommentiert man nicht. Gemäß den Marktmechanismen entbehren sie nicht einer gewissen Unseriosität, vergleichbare Werke waren noch nie auf dem Markt.

Gesichert ist dagegen, dass Restitutionen im Laufe der vergangenen Jahre zu einem hervorragenden Geschäft für die Auktionshäuser und einem wichtigen Element des Kunstmarktes avanciert sind. Das Gros der den rechtmäßigen Erben zurückgegebenen Kunstwerke wechselte innerhalb kürzester Zeit in den internationalen Auktionssälen den Besitzer. Dafür finden sich unzählige auch nicht auf diese Art vermarktete Beispiele: Aus der Sammlung Rothschild gelangte etwa ein vom Joanneum 2000 restituierter Pokal aus Silber in Form eines Straußes 2001 bei Christie's zur Auktion (333.750 Pfund).

Die starke Nachfrage an restituierter Kunst ist leicht erklärt: Die Objekte waren jahrelang Teil musealer Sammlungen und bieten Interessenten deshalb absolute Marktfrische auf höchstem Qualitätsniveau. Der Wermutstropfen aus österreichischer Sicht - von den Umsätzen aus restituierter Kunst profitiert ausnahmslos das Ausland. London und New York sind nun einmal jene Marktplätze, auf denen die besten Preise erzielbar sind.

Diese Erfahrung musste auch schon Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie im Belvedere, machen. Im Rahmen der Rothschild-Auktion 1999 war etwa auch ein aus der Österreichischen Galerie restituiertes Relief-Paar des Wiener Bildhauers Jakob Gabriel Molinarolo bei Christie's versteigert worden: Für 194.000 Pfund (310.000 Euro) im Bereich der angesetzten Taxen. Die Österreichische Galerie musste vorerst passen, dafür holte man sich die beiden Barockreliefs 2002 anlässlich der TEFAF in Maastricht - 455.000 Euro hatte der belgische Händler Axel Vervoordt veranschlagt.

Die erste groß angelegte Raubkunst-Auktion - die bislang einzige von Christie's in Österreich durchgeführte - fand 1996 statt. Im Angebot der legendären Mauerbach-Auktion - sie spielte rund 11,3 Millionen Euro ein - war der Anteil an musealer Qualität in der absoluten Minderheit. Dagegen strotzte die 1999 verteilte Rothschild-Offerte vor Highlights und brachte mit mehr als 87 Millionen Euro das Dreifache der Erwartungen. Anders ausgedrückt: Der laufenden Diskussion um den Wert der fünf Klimt-Gemälde kann keine Kunstpreisdatenbank der Welt den Wind aus den Segeln nehmen, es fehlt die Vergleichbarkeit als Basis.

Dies betrifft vor allem die beiden Porträts Adele Bloch-Bauers. Allenfalls könnten die Bilder Apfelbaum I, Buchenwald (Birkenwald) und Häuser in Unterach am Attersee jüngeren Ergebnissen gegenübergestellt werden: Den höchsten Zuschlag vergab Sotheby's 2001 das restituierte Landhaus am Attersee bei netto 22,63 Millionen Euro, gefolgt von Schloss Kammer am Attersee, für das Christie's 1997 19,16 Millionen Euro erzielte.

Aber der Markt ist nun mal unberechenbar, und das zeigt kein Beispiel besser als das den Erben nach Georg und Hermine Lasus im Jahr 2000 rückgestellte Klimt-Bild Bauernhaus mit Birken . Am 6. November 2001 war es eines der Glanzlichter der in New York bei Christie's angebotenen Offerte der Sparte Impressionist & Modern Art . Bei einer Schätzung von fünf bis sieben Millionen Dollar blieb es unverkauft. Erst 2004 wechselte es bei Sotheby's für vier Millionen Dollar den Besitzer. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.1.2006)