Wien - Die frühere österreichische Generalkonsulin in Belgrad, Andrea S., hat einem Bericht der Info-Illustrierten "News" (Donnerstagsausgabe) zufolge schwere Vorwürfe gegen ihre Vorgesetzten im Außenministerium erhoben. Diese wären im Jahr 2001 Hinweisen auf kriminelle Machenschaften nicht nachgegangen, schreibt "News" unter Berufung auf eine Gerichtsaussage der Diplomatin am vergangenen Freitag.

"Visa-Shoppingstelle"

"Bei meinem Dienstantritt war die Botschaft Belgrad eine Visa-Shoppingstelle nach außen (Reisebüros und andere Organisationen (...) haben stapelweise Visaanträge ohne persönliche Vorsprache der Visawerber eingereicht) und ein Selbstbedienungsladen nach innen (bestimmte Botschaftsbedienstete waren es gewohnt, Visaanträge - mit unvollständigen bzw. zweifelhaften Unterlagen - extensiv einzureichen oder zumindest zu intervenieren)", heißt es in einem 25 Seiten starken Bericht, den die Generalkonsulin bereits im Jahr 2002 an das Ministerium übermittelt und nun auch dem Richter vorgelegt habe. Darin werde auch aufgelistet, welche Organisationen und Botschaftsangehörigen für wen "interveniert" hätten, dass Anträge auch erledigt worden seien, obwohl sie "unvollständig, zweifelhaft, gefälscht" gewesen seien. Verdachtsmomente seien vom damaligen Botschafter "retourniert" worden.

"Unflexibel"

Das Ministerium habe die Konsulin daraufhin in einem Prüfbericht als "unflexibel", "nicht kundenfreundlich" und "uneinsichtig" qualifiziert und gegen ihren Willen von ihrem Posten entfernt, schreibt "News". Ihr Nachfolger sei jener Diplomat geworden, gegen den derzeit strafrechtliche Ermittlungen in der Visa-Affäre laufen, weil er in Zusammenarbeit mit Kriminellen für Geld Sichtvermerke erteilt haben soll.

"News" weist auch auf die ministeriumsinterne Regelung hin, wonach Visa-Unterlagen nach einem Jahr Aufbewahrung vernichtet werden dürfen ("Skartierungsvorschrift"). Im Fall eines von der Ex-Generalkonsulin im Jahr 2001 namhaft gemachten Vizekonsuls habe das dazu geführt, dass das Justizverfahren wegen der vorherigen Vernichtung der ihn möglicherweise belastenden Unterlagen eingestellt wurde. Das Außenamt habe den Vorfall im Juni 2002 im Juni immer noch nicht an die Staatsanwaltschaft gereicht, und der Betreffende sei erst 2004 vor dem Untersuchungsrichter erschienen. (APA)