Wien - Die Kreditkartenfirma Visa Austria startet im ersten Quartal 2006 mit der Umstellung ihrer Terminals auf den neuen Sicherheitsstandard EMV (Europay/Mastercard/Visa). Bei den Karten sind schon 80 Prozent mit der neuen Chip-Technologie ausgestattet, sagte Visa Austria-Chef Helmut Nahlik am Mittwoch. Für den Karteninhaber bedeutet dies, dass er die Zahlung künftig nicht mehr mittels Unterschrift, sondern mit der Eingabe eines PIN-Code tätigt. Ab dem Jahr 2007 will Visa mit der Debitkarte "V Pay" als Konkurrent zur Bankomat/Maestro-Karte auftreten.

Umstellung der Bankomatkassen

Als Potenzial sieht Nahlik die mehr als sechs Millionen in Österreich derzeit ausgegebenen Debitkarten, davon wolle man für "V Pay" so viel wie möglich gewinnen. Die neuen Terminals, die für den gemeinsamen weltweiten Sicherheitsstandard von Visa, Europay und Mastercard notwendig sind, ermöglichen künftig technisch den Einsatz der Visa-Debitkarte. Für den Start von "V Pay" solle ein gewisses Terminalnetz vorhanden sein, begründete Nahlik den Zeitpunkt ab 2007. Visa wolle heuer rund 5.000 bis 10.000 seiner insgesamt 15.000 bis 20.000 Kreditkarten-Terminals umstellen, es müssen aber auch noch die Maestro-Terminals (Bankomatkassen) auf den neuen Standard gebracht werden. Bereits umgestellt sind in Österreich alle Bargeldautomaten.

Die Banken dürften dem neuen Visa-Produkt nicht abgeneigt sein. Viele Banken, nicht nur die an Visa Austria beteiligten Institute (Bank Austria und RZB), wollten eine Alternative zur Bankomat/Maestro-Karte, so Nahlik. Die Diskussionen seien aber noch nicht abgeschlossen. Eine Bank könne aber mit einer neuen Debitkarte beispielsweise ein bestehendes Kontopaket auflösen. Banken dürfen derzeit ihre Kontoführungsgebühren maximal im Ausmaß der Inflationsrate erhöhen.

Erhöhung der Sicherheit

Bei der Kreditkarte erhofft sich Visa Austria durch den neuen EMV-Sicherheitsstandard einen Rückgang bei den Betrugsfällen um rund die Hälfte. Diese lägen derzeit "deutlich unter einem Prozent". In den Jahren 2004 und 2005 seien die Schadensfall-Volumina trotz Volumssteigerungen stabil geblieben. Unterschriften könnten, "wenn man sie übt" gefälscht werden, mit einem PIN-Code sei die Sicherheit höher. Zentral sei dabei aber, den PIN-Code - wenn überhaupt - getrennt von der Karte aufzubewahren. Es gebe immer wieder Fälle, in denen die Geheimzahl auf der Karte notiert sei.

Das Kreditkartengeschäft sei 2005 von der etwas schwierigeren wirtschaftlichen Situation in Österreich geprägt gewesen. Wenn die Handelsumsätze in etwa im Ausmaß der Inflationsrate stiegen, wirke sich dies auch auf die Kreditkartenumsätze aus, so Nahlik. Visa Austria habe daher nicht die Umsatzzuwächse mancher anderer europäischer Länder erreicht. Der Gesamtumsatz von Visa Austria stieg 2005 um 8,1 Prozent auf 4 Mrd. Euro, Visa Europe konnte ein Plus von 18,7 Prozent auf 1,09 Bill. Euro verzeichnen.

Die Zahl der ausgegebenen Visa-Kreditkarten erhöhte sich in Österreich um 1,1 Prozent auf 950.000. Die im Besitz von 5.000 Banken stehende Visa Europe hat im Vorjahr 297 Millionen Karten ausgegeben, heuer sollen es 314 Millionen werden. Bei den Umsätzen erwartet Visa Europe für 2006 ein Plus von zwölf Prozent auf 1,22 Billionen Euro. Die Wachstumsraten für Österreich dürften nach Einschätzung Nahliks heuer in etwa auf Vorjahresniveau liegen.

Neben "V Pay" sieht Jutta Müller-Liefeld, Country Manager für Österreich bei Visa Europe, noch großen Bedarf bei Firmenkreditkarten. Man wolle weiterhin Bargeld und Schecks ersetzen. Die Visa-Karte funktioniere als "Plastik-Euro" in ganz Europa. (APA)