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Hochwasser überschwemmen Venedig immer häufiger

Foto: AP/ LUIGI COSTANTINI
Rom - Das ehrgeizige Bauprojekt der italienischen Regierung zum Schutz Venedigs vor Hochwasser hat in Brüssel Skepsis ausgelöst. Auf Drängen italienischer Umweltschützer wurde eine Stellungnahme angefordert, in der festgehalten werden soll, ob das Projekt Schäden für Umwelt und Tiere berücksichtige.

Die EU griff damit eine Forderung der italienischen Grünen auf, die seit Jahren eine Kampagne gegen das Vorhaben führen. Die Regierung Berlusconi, die das Projekt als prioritär bezeichnet, muss nun auf die Bedenken der EU-Kommission reagieren. Das so genannte MOSE-Projekt mit 78 riesigen mobilen Deich-Modulen, die den Eingang der Lagune von Venedig bei drohendem Hochwasser versperren sollen, sei für das Öko-System äußerst bedrohlich, meinten die Grünen, die ein Einschreiten der EU-Kommission fordern.

Hochwasser wird häufiger

"Venedig muss vor der Arroganz der Regierung Berlusconi verteidigt werden", fordern die Grünen, die sich seit Jahren gegen das von dem Mitte-Rechts-Kabinett forcierten Projekt wehren. Laut den Umweltschützern wird es auf Grund der weltweiten Klimaveränderung künftig in Venedig weit häufiger Hochwasser geben, als es die Ingenieure des MOSE-Projekts einkalkulieren. In Hochwassermonaten wäre die Stadt somit fast ständig vom Frischwasser abgeschnitten und könnte sich schnell in eine Kloake verwandeln.

Idee aus den sechziger Jahren

Die Idee zu dem mobilen Deichsystem entstand bereits in den sechziger Jahren, nachdem 1966 eine Flut katastrophale Schäden in der Stadt verursacht hatte. Nach weiteren schweren Überschwemmungen erklärte die Regierung in Rom die Rettung Venedigs zu einer Angelegenheit von nationalem Interesse. Bis zur geplanten Fertigstellung des Damms in acht Jahren werden die Baukosten mit sechs Milliarden Euro veranschlagt. Die Instandhaltungskosten sind mit jährlichen acht Millionen Euro kalkuliert. Den Planern zufolge wird MOSE der Stadt und ihren einzigartigen Kunstschätzen hundert Jahre lang Schutz bieten.

20 Meter hohe Module Bei normalem Wasserpegel liegen die Module auf dem Meeresgrund. Sobald das Wasser bis auf 110 Zentimeter über das normale Niveau steigt, wird Luft in die Tanks gepresst, so dass sich diese aufrichten und den Adriawellen den Weg in die Lagune versperren. Jedes der 78 Module, die auf vier Abschnitte verteilt sind, ist 20 Meter hoch, bis zu fünf Meter breit und zwischen 18 und 28 Metern lang. (APA)