Wien – In den Jahren 2002 bis 2004 machten die Fixkosten der Wiener Festwochen rund 47 Prozent des Gesamtbudgets aus: 18,53 Millionen Euro. Das Kontrollamt der Stadt Wien wälzte daher, um den Zuschussbedarf einzelner Veranstaltungen zu ermitteln, die Overhead- anteilsmäßig auf die Produktionskosten über:

Für die zwei Aufführungen der Oper Berenice betrug der Zuschuss pro zahlenden Besucher 871 Euro, für das Gastspiel The Designated Mourner 756 Euro, für die Uraufführung von Massacre 702 Euro, für das Gastspiel Der Rattenfänger 662 Euro. Einsamer Spitzenreiter: die Parallelkonzerte Private Exile am 16. Mai 2004 mit einem Zuschussbedarf von 1251 Euro für jeden der 146 zahlenden Zuhörer...

Das Festival kritisierte zwar diese Vollkostenrechnung, das Kontrollamt spricht sich dennoch für seine Methode aus: Es vermisst in seinem soeben veröffentlichten Bericht, von der VP in Auftrag gegeben, "eine stärkere Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeitskriterien" bei der Spielplangestaltung. Die Gestion der Festwochen habe, was die Kriterien Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit anlangt, "Verbesserungspotenzial" erkennen lassen. Dies traf auch für die sehr hohen Kosten der Eröffnungen zu.

Kritisiert wurden zudem die veröffentlichten Auslastungszahlen, denn manche Besucher wurden doppelt gezählt, was sich auch auf die Auslastung auswirkt: Sie habe 2004 nicht 81,9 Prozent, sondern 81,5 Prozent betragen. Und weil zu "großzügig" Freikarten vergeben wurden, konnten nur 58,9 Prozent der möglichen Einnahmen erzielt werden. 2004 zahlten nur 68,6 Prozent den vollen Preis: 7,9 Prozent erhielten Freikarten.

Marie Ringler, Kultursprecherin der Grünen: "Der Bericht zeigt auf, dass die Festwochen vor allem über Kosten-Nutzen-Relationen nachdenken werden müssen. Und zwar in Hinblick auf die Frage, wie legitim es ist, für eine Produktion derart viel Geld auszugeben." Die Luc-Bondy-Inszenierung The Turn of the Screw z.B. hatte nur 2721 Besucher – und verursachte einen Abgang von mehr als 1,6 Millionen Euro. Ringler: "Die Festwochen müssen daran erinnert werden, dass sie auch einen Publikumsauftrag im Sinne einer Erweiterung und Verbreiterung haben!" (DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2006)