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Die Grünen wollen jünger werden

foto: apa/schneider
Wien - Die grüne Nationalratsabgeordnete Sabine Mandak hat eigentlich eine unlösbare politische Aufgabe: Sie vertritt im Parlament die Jugend- und Seniorenrechte – ein klassischer Widerspruch. Sie persönlich findet das nicht: "Das ist so gewachsen. Ich finde, das passt zum gesamthaften Zugang der Grünen."

Kein Platz für Nachwuchs

Doch genau dieser scheint nun nicht mehr zu funktionieren. Die Grünen – im heurigen Jahr 20 Jahre alt – kämpfen mit einem klassischen Altparteienphänomen: Die Altvorderen sitzen in den ersten Reihen auf den besten Plätzen, für den Nachwuchs ist kein Platz. "Rückstau der Alten" nennt das die Wiener Grüne Abgeordnete Marie Ringler (30).

Der durchschnittliche grüne Nationalratsabgeordnete ist so alt wie Mandak (49), in den Landesorganisationen liegt der Schnitt bei 46. Bei der Festlegung der Bundesliste beim grünen Bundeskongress in Innsbruck vergangenen November wurde das Generationenproblem offenbar: Um die ersten fünf Plätze gab es einen heftigen Wettbewerb der Alteingesessenen, erst auf Platz sechs konnte ein Neuer einsteigen. Der AK-Experte Bruno Rossmann ist mit 54 Jahren aber auch kein "Junger".

Beamtete Grüne

"Es hätte mich sicher gefreut, wenn es Jüngere gibt. Aber das biologische Alter ist kein Kriterium alleine", meint Parteivizechefin Eva Glawischnig (36). Sie ist derzeit die jüngste grüne Abgeordnete im Parlament.

Verjüngungskur Van der Bellens

Parteichef Alexander Van der Bellen (seit Mittwoch 62) denkt nun an eine Verjüngungskur seiner Partei (siehe Interview). Ein gewisser Prozentsatz an Mandatsplätzen soll für "Newcomer" reserviert werden. Da die aktuelle Wahlliste aber bereits fixiert ist, könnte seine Idee frühestens bei den Nationalratswahlen 2010 umgesetzt werden.

Van der Bellens Vorschlag stößt bei den Grünen auf gemischte Gefühle. "Ich halte das für einen guten Vorschlag, auch wenn es mir lieber wäre, man müsste das nicht machen", meint etwa Ringler. "Es ist nämlich auch ein Armutszeugnis. Andererseits: Quoten funktionieren, siehe etwa die Grüne Frauenquote." Derzeit liegt sie im Nationalratsklub bei imposanten 58 Prozent.

Konrad gegen "Jugend-Quote"

Eine, die es geschafft hat, ist Eva Konrad. Die 26-jährige Studentin sitzt für die Grünen im Bundesrat – und hält nichts von einer "Jugend-Quote". Man könne nicht alles über Quoten regeln, sagt sie.

"Es gibt 25-Jährige, die sind 60 in der Birne", sagt Christoph Chorherr (46) – Ex-Bundessprecher, Ex-Klubchef der Wiener Grünen und heute einfacher Gemeinderat. Es gehe nicht ums Alter, sondern um die Qualifikation. Und da gelte es Wege zu finden. Eine "Neueinsteigerquote" müsse her. Sein Vorschlag: ein Schlüssel von zwei Drittel Altgedienten zu einem Drittel Neulinge, und das auf alle Ebenen.

Meissner-Blau: Beharren als Problem

Das Generationenproblem bei den Grünen missfällt auch der ehemaligen Spitzenfrau Freda Meissner-Blau sehr, wie sie im Gespräch mit dem STANDARD sagt. Meissner-Blau war 1986 erste Klubobfrau der Grünen im Parlament. "Ich habe von einer jungen Partei gesprochen, jung in der Form und in der Realität. Jung vor allem im Geiste. Wenn jemand schon die fünfte Legislaturperiode dort sitzt, wird er auch wieder zum parlamentarischen Beamten oder riskiert es zu werden, ich will nicht unfair sein", sagt sie. Ein tatsächliches Nachwuchsproblem sieht Meissner-Blau, heute 78 Jahre alt, bei den Grünen nicht: "Den Nachwuchs gäbe es. Es ist viel mehr das Beharren derer, die dort in Funktionen sind. Ich habe gefunden, Grüne gehen nicht ins Parlament, um sich eine Pension zu erarbeiten."

Plattform

Ringler hat jedenfalls inzwischen eine "Plattform Junge Grüne" gegründet, auf der sich der grüne Nachwuchs vernetzen soll. Damit haben die Grünen – neben ihrer Jugendorganisation, die vor allem Teenager anspricht – nun auch ihre "Junge Generation". Wie alle anderen (Alt)-Parteien auch. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2006)