Zürich/München/Hamburg - Die bevorstehenden palästinensischen Wahlen und die Perspektive eines spektakulären Erfolgs der radikalen Terroroarganisation Hamas werden am Freitag von führenden europäischen Blättern kommentiert:Süddeutsche Zeitung

"Die Anerkennung Israels, Demokratie, Frieden, Gewaltfreiheit und Reformen sind die Themen, die die (EU-)Kommissarin (Benita Ferrero-Waldner) auf ihrer Tour durch Gaza und das Westjordanland immer wieder intoniert. Wer genau hinhört, der mag einen flehentlichen und zugleich drohenden Unterton heraushören. (...) Wenn es so kommt, wie die Vorhersagen vermuten, dann bekommt die EU ein gewaltiges Problem. Und das hat einen Namen: Hamas. Nein, wehrt die Kommissarin ab, sie werde nicht in den Wahlkampf 'eingreifen'. Das müssten faire und freie Wahlen sein, weshalb die EU die diversen Wahlen in Palästina ja inzwischen mit 18,5 Millionen Euro finanziert und die größte Wahlbeobachtermission ihrer Geschichte auf die Beine gestellt hat. Aber natürlich mischt sie sich ein, diplomatisch feinsinnig, wie es der Österreicherin zu Eigen ist, die im Auswärtigen Dienst groß wurde. Die zukünftige Regierung in Ramallah müsse 'verantwortlich handeln, den Frieden vorantreiben und alle internationalen Abkommen' einhalten. (...) Die Stunde der Wahrheit könnte Brüssel schon bald schlagen. Über ein Jahrzehnt pumpt es nun schon Geld in die palästinensischen Gebiete. Alles in allem rund 500 Millionen Euro pro Jahr. Dahinter verbirgt sich das Kalkül, damit die moderaten Kräfte zu stärken, die den Frieden mit Israel suchen. Wenn jetzt Hamas, in Europa als Terrororganisation gelistet, als Partei für Wandel und Reform Einfluss auf die Regierung in Ramallah bekommt, dann steht diese Strategie vor dem Zusammenbruch..."

Die Zeit "Am 25. Januar werden zum ersten Mal seit zehn Jahren Wahlen für das palästinensische Parlament abgehalten. Die Israelis sehen eine Chance, (Mahmoud) Abbas und (Mustafa) Barghouti zu stärken, als Bollwerk gegen die korrupten Erben Arafats - und gegen Hamas. Zum ersten Mal mischen die Islamisten nun in der parlamentarischen Politik mit. Der von Israel, den USA und der EU als terroristische Vereinigung geächteten Partei werden 40 bis 50 der 132 Sitze vorhergesagt. Hamas, glaubt Nidal Foqah (Mediendirektor der Partei des Dritten Weges, die zwar kaum einen bedeutenden Machtfaktor darstellt, aber auf deren Liste die jede Gewalt ablehnende Hanan Ashrawi und der auch im Westen hoch angesehene ehemalige Finanzminister Salam Fayed kandidieren), entsage nach und nach ihren Maximalforderungen und ordne sich in das bestehende politische System ein, und 'das bedeutet: Die Partei kommt unter den Schirm von Oslo'". (APA)