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Chirac zu Terrorangriffen auf Frankreich: "Die Antwort könnte eine Konventionelle sei. Sie könnte aber auch von anderer Art sein."

REUTERS/Franck Prevel
Nicht nebenbei machte Staatspräsident Jacques Chirac am Donnerstag seine Androhung, Frankreich könnte mit Atomschlägen auf Angriffe durch Terrorstaaten reagieren. Er widmete ihr vielmehr eine längere Rede vor einem ausgewählten Fachpublikum auf der Marine-Basis Île Longue in der Bretagne. Dabei umriss er die heutige Aufgabe der "Force de Frappe".

Frankreich habe seine nukleare Streitkraft zwar nicht spezifisch zur Bekämpfung fanatischer Terroristen aufgebaut, und daran habe sich auch nach den Anschlägen des 11. September 2001 nichts geändert, meinte Chirac. "Die Anführer von Staaten, die terroristische Mittel gegen uns ergreifen würden oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen auf die eine oder andere Weise erwägen würden, müssen aber verstehen, dass sie sich einer starken und angebrachten Antwort unsererseits aussetzen würden", fügte der 73-jährige Präsident an, um zu präzisieren: "Die Antwort kann konventioneller Natur sein. Sie kann aber auch anderer Natur sein."

Der Präsident nannte kein Land namentlich, sprach aber von der Versuchung "gewisser Staaten, sich unter Bruch der Verträge mit Atomwaffen auszustatten". Damit konnten nur Länder wie Nordkorea oder der Iran gemeint sein, was im derzeitigen Konflikt um das Atomprogramm Teherans besonders brisant ist.

Chirac fügte hinzu, die atomare Abschreckung Frankreichs sei durch die Reduktion von Atomsprengköpfen auf den U-Boot-Abschussstationen anpassungsfähiger als früher geworden: "Wir sind in der Lage, einer größeren Macht, die von uns als vital eingestufte Interessen angreift, jede Art von Schäden zuzufügen." Eine gezielte Antwort könnte also "direkt auf die Machtzentren" dieser "regionalen Großstaaten" einwirken.

Die "Force de Frappe" ist seit Jahren im Umbau. Die terrestrischen Abschussstationen auf der Albion-Ebene (Südfrankreich) wurden schon unter Chiracs Vorgänger Fran¸cois Mitterrand abgebaut. Heute investiert Frankreich noch etwa 3,5 Milliarden Euro pro Jahr - rund ein Zehntel des Militärbudgets - in seine atomare Streitkraft mit etwa 300 Sprengköpfen.

Auch wenn Chirac den atomaren Schutz der Atomstreitkraft ausdrücklich auch den "Verbündeten" Frankreichs zur Verfügung stellt, stellt sich die Frage, ob er sich mit diesen abgesprochen hatte. Dagegen sprechen frühere Erfahrungen mit Chirac, der 1995 kurz nach seiner Wahl mit der Ankündigung von Atomtests auf Mururoa verblüfft hatte. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2006)