Bitte nicht recht freundlich: Die biometrische Kontrolle in der Justizanstalt Josefstadt erlaubt kein Lächeln.

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Wien - Im April des vergangenen Jahres foppte ein mutmaßlicher Geldfälscher die Wachbeamten des Wiener Landesgerichts. Verkleidet spazierte er aus dem Gerichtsgebäude und sorgte damit für eine veritable Blamage der Vollzugsbehörden.

Um solch dreisten Ausbruchsversuchen künftig einen Riegel vorzuschieben, hat Justizministerin Karin Gastinger (BZÖ) am Donnerstag ein neues Sicherheitssystem für den Strafvollzug vorgestellt. Das biometrische Erkennungssystem soll verhindern, dass Straftäter unerkannt aus dem Gebäude flüchten.

Das Computersystem ermittelt mittels Chipkarte und Kamera , ob eine Person, die das Gebäude verlassen möchte, auch die gleiche ist, die zuvor das Objekt betreten hat. Stimmen Chipkarte und das gespeicherte Gesicht nicht überein, wird Alarm ausgelöst.

"Nicht praktikabel"

Hans Zeger von der Arge Daten hält das System für nicht praktikabel. Laut einer Studie des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hätten Gesichtserkennungssysteme eine Fehlerquote von weit über 90 Prozent. "Eine engagierte Kontrolle durch die Beamten wäre sinnvoller."

Dem widerspricht Christian Raunegger, Geschäftsführer der Herstellerfirma "x-pin". Das eigene System habe eine Fehlerrate von weit unter einem Prozent. Sogar das BSI habe "x-pin" als einzigen Hersteller zertifiziert.

Seit Oktober ist eines dieser Erkennungssysteme in der Haftanstalt Josefstadt in Betrieb. Anstaltsleiter Peter Prechtl ist zufrieden. Seit der Einführung habe es keinen einzigen Fehler gegeben. Bei täglich zwischen 400 und 800 Kontrollen.

Am Rande der Präsentation äußerte sich Ministerin Gastinger auch zu den heute erstmals in Oberösterreich eingesetzten elektronischen Fußfesseln. Sie könne sich eine Ausweitung des Fußfesselsystems auf Untersuchungshäftlinge und Personen mit geringen Haftstrafen vorstellen, so die Ministerin. Dies würde den Justizvollzug deutlich entlasten. (ran, DER STANDARD – Printausgabe, 20. Jänner 2006)