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Foto: AP/Lenny Ignelzi
Graz - Wenige Wochen nach der Entfernung des Namens "Arnold Schwarzenegger" vom Grazer Stadion und zwei Tage nach der jüngsten Hinrichtung in Kalifornien beschäftigte der Gouverneur des "Golden State" am Donnerstag abermals seine einstige Heimatstadt: Am Vormittag präsentierte die Werkstadt Graz in Kooperation mit der Artikel Editionen Berlin die von der Grazer Künstlerin Johanna Hierzegger erdachte Lentikularkarte "Graz Stadion".

Die Postkarte, die der Verbraucher auch als Kipp- oder Wechselbildkarte kennt, zeigt das Grazer Stadion - je nach Blickwinkel - einmal mit dem Schwarzenegger-Schriftzug und einmal ohne. Während man bereits mit Vertriebspartnern in Deutschland und den USA über das Souvenir verhandelt, wird es derzeit nur bei Graz Kunst feilgeboten (Sporgasse, 2,90 Euro). "Es gibt auch eine begrenzte Anzahl mit einer vergriffenen Schwarzenegger-Briefmarke", erzählt Joachim Baur von der Werkstadt Graz, der die Karte als ironisches Statement am Schnittpunkt zwischen Politik und Kunst wertet.

Die Präsentation der Kippkarte zog auch das Objektiv einer ARD-Kamera auf sich, die Minuten später im Grazer Gemeinderat an einer Schwarzenegger-Doku weiter drehte. Denn neben Fragen der effizienten Schneeräumung, des Hochwasserschutzes und der Jugendbeschäftigung befasste man sich auch hier wieder mit Todesstrafe und Gouverneur.

Kippeffekte im Rathaus

Die Grünen stellten einen Antrag für eine Grundsatzerklärung der Stadt gegen die Todesstrafe, der einstimmig angenommen wurde. Zuvor forderte die Grünen-Klubchefin Sigi Binder Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) auf, sich bei der rot-rot-grünen Mehrheit seines Gemeinderats zu entschuldigen, weil er ihr Engagement als "Provinzposse" bezeichnet hatte. Zudem sollte sich Nagl von seinem Kulturreferenten Werner Miedl, distanzieren, der im guten Ton "gekippt" war und die Dreier-Allianz "linke Bagage" nannte. Nagl will die Anfrage nur schriftlich beantworten, weil "mir die aktuellen Umfragewerte der Grazer nicht geläufig sind". 2003 wählten 54,90 Prozent eine Partei besagter "Bagage". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Jänner 2006)