Tel Aviv/Jerusalem/Damaskus/Paris - Nach dem Selbstmordanschlag in Tel Aviv vom Donnerstag hat Israel schwere Vorwürfe gegen Syrien und den Iran erhoben. Verteidigungsminister Shaul Mofaz erklärte laut Medienberichten während einer Dringlichkeitssitzung zur Sicherheitslage, Syrien habe die Tat geplant, der Iran habe sie finanziert. Israel werde deshalb auch keine Vergeltung an den Palästinensern üben. Allerdings würden Stellungen der Untergrundorganisation "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) angegriffen; diese hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Es lägen "klare Beweise" für die Verwicklung Syriens und des Iran vor, wurde Mofaz zitiert. Israel werde diese Beweisstücke an die USA und die EU weiterleiten. Die Sicherheitsvorkehrungen um die palästinensische Stadt Nablus im Westjordanland würden verschärft. Dort lebte der 22-jährige Attentäter, der bei dem Anschlag in einer Imbissstube in der Nähe des alten zentralen Busbahnhofs von Tel Aviv ums Leben kam. Etwa 30 Israelis wurden dabei verletzt, einer von ihnen schwer.

"Terror-Gipfel"

Den israelischen Behörden lägen eindeutige Beweise vor, dass "der Anschlag in Tel Aviv ein direktes Ergebnis der Terrorachse zwischen dem Iran und Syrien war", schrieb die israelische Tageszeitung "Haaretz". "Yedioth Ahronoth" zitierte Mofaz mit dem Vorwurf, der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad halte derzeit einen "Terror-Gipfel" mit dem syrischen Präsidenten Bashar Assad ab. Ahmadinejad ist nach offiziellen Angaben aus Teheran zu einem zweitägigen "Solidaritätsbesuch" nach Syrien gereist.

Ahmadinejad traf Hamas-Führer in Syrien

Unterdessen hat - einen Tag nach dem Anschlag - der iranische Staatspräsident Mahmoud Ahmadinejad am Freitag in Damaskus führende Vertreter von palästinensischen Terrororganisationen getroffen. Nach Angaben eines Gesprächsteilnehmers sprach Ahmadinejad mit dem politischen Chef der Hamas-Bewegung, Khaled Mechaal (Mashaal), und mit dem Führer des Islamischen Jihad, Abdallah Ramadan Shalah, dessen Organisation sich zu dem Anschlag vom Vortag bekannt hatte.

Die Palästinenser bekundeten bei dem Treffen ihre Solidarität mit Syrien und mit dem Iran, der das Recht auf Nukleartechnologie zu friedlichen Zwecken habe, sagte ein Vertreter der "Volksfront für die Befreiung Palästinas" (PFLP). Der in Syrien lebende Mechaal hatte den israelischen Abzug aus dem Gaza-Streifen im vergangenen Sommer als "den Anfang vom Ende des Staates Israel" bezeichnet.

Ahmadiejad: Europa soll Juden aufnehmen

Ahmadinejad hat unterdessen den westlichen Ländern geraten, Juden aus Israel aufzunehmen. Juden würden nicht weiter in Israel leben, "wenn ihnen die Tore Europas geöffnet würden", zeigte sich der iranische Präsident während seines Syrien-Besuchs überzeugt. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Vortag in Kairo von der islamischen Welt eine klare Absage an antiisraelische Angriffe und an jeden Versuch einer Leugnung des Holocaust gefordert. "Wird diesen Aussagen nicht entschlossen entgegengetreten, so besteht die Gefahr, dass inakzeptable Ansichten Einzelner die ganze islamische Welt diskreditieren", warnte Steinmeier.

Ahmadinejad hatte im Dezember unter anderem erklärt, die Europäer hätten den "Mythos" vom Holocaust geschaffen und dazu benützt, inmitten der islamischen Welt einen jüdischen Staat als "Fremdkörper" zu errichten. Auch hatte er gemeint, Deutschland und Österreich sollten Gebietsteile abtreten, damit dort ein jüdischer Staat entstehen könne.

Drohung mit Atomeinsatz

Der französische Generalstabschef Henri Bentégeat hat unterdessen der Führung in Teheran vorgeworfen, "äußerst kriegerische Absichten" zu bekunden und damit größere Besorgnis auszulösen. Es sei nicht vorstellbar, "dass ein Staat, der das Spiel der internationalen Gemeinschaft nicht anerkennt, im Widerspruch zu allen internationalen Verträgen Atomwaffen zu erwerben versucht", sagte Bentégeat am Freitag dem Radiosender RTL. Am Vortag hatte Staatspräsident Jacques Chirac "Terrorstaaten" mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht. Auf die Frage nach dem möglichen Einsatz von terroristischen Mitteln durch andere Staaten sagte General Bentégeat: "Gewisse Staaten sind stark verdächtig." Es sei aber "schwierig zu belegen, dass diese Staaten tatsächlich Terrorismus als gewöhnliches Mittel zum Lösen von Problemen einsetzen". (APA)