Zehntausende Fans werden erwartet.

Kitzbühel - Rund 50.000 Fans werden live dabei sein, wenn am Samstag (11:30 Uhr/live ORF 1) das berühmteste Skirennen der Welt gestartet wird. Nach letztjähriger Zwangspause (Absage wegen Schneefall) ringen die besten Abfahrer der Welt 2006 wieder um Ruhm und Ehre auf der Streif. Gesucht wird die 2004 von Stephan Eberharter bei der bis dato letzten Abfahrt in den Schnee gezauberte "perfekte Linie", damals hatte der Tiroler auf Mausefalle, Steilhang, Hausberg und Co. den schmalen Grat zwischen "Genie und Wahnsinn" ideal getroffen und mit 1,21 Sekunden Vorsprung triumphiert.

Im Anschluss ans diesjährige Rennen werden die "Fantastischen 4" eine Live-Show zum Besten geben, doch auch bereits beim Klassiker selbst sollten genau vier Mann das Wort haben. Denn wo man sich auch umhörte (Trainer, Fahrer, Experten, Fans), es tauchten immer dieselben vier Namen als Siegertipp auf: Daron Rahlves (USA), Fritz Strobl, Michael Walchhofer und Hermann Maier (alle AUT), am Freitag Sieger im Super G.

Es wird also an Rot-Weiß-Rot liegen, den Amerikaner Rahlves den heiß ersehnten Sieg beim letzten Kitz-Auftritt zu vermasseln. Für ÖSV-Speed-Chef Walter Hubmann ist es kein Wunder, dass die großen Favoriten allesamt ihren 30. Geburtstag bereits hinter sich haben: "Als Gesamtpaket ist Kitz die schwierigste Abfahrt der Welt. Hier ist Erfahrung und Routine gefragt."

Strobl hat am Dienstag das einzige Training (am Mittwoch und Donnerstag gab es Absagen) haushoch dominiert. Seine Vorliebe für Kitz ist bekannt, Strobl hält seit 1997 den Streckenrekord und hat hier 1997 und 2000 gewonnen. "Ich mag an Kitzbühel alles, die Stadt, die Strecke, die Fans. Die Streif ist manchmal nett und manchmal gefährlich. Man weiß nie genau, wie man mit ihr umgehen soll. Das ist das Spezielle."

Für den Olympiasieger, der in sechs Saisonabfahrten nie schlechter als Fünfter war, spricht einiges, auch seine Streif-Erfahrung. "Ich war vor 15 Jahren das erste Mal hier, Routine ist in Kitz unbezahlbar", weiß Strobl. Hinzu kommt, dass der legendäre Fahrstil von "Fritz The Cat" der Streckencharakteristik voll entgegen kommt. "Momentan schleicht die Katze ja ganz schön schnell", merkte Hubmann zu Strobls Hochform an.

Walchhofer ist spätestens seit seinem WM-Titel 2003 einer der dominanten Abfahrer, für einen Kitz-Sieg hat es aber noch nie gereicht. Der 30-Jährige ist in Kitz sogar noch nie auf dem Abfahrts-Stockerl gestanden. Der Salzburger weiß warum: "Weil ich noch nie einen perfekten Lauf hatte. Wenn ich es einmal perfekt erwische, werde auch ich nur schwer zu schlagen sein. Es kommt nur darauf an, ob ich die Schlüsselpassagen gut erwische. Denn der Grund-Speed stimmt bei mir. Ich bin sehr zuversichtlich."

Auch Walchhofer blieb punkto Favoritenkreis bei den "Fanta 4" und legte sich sogar auf eine Reihenfolge fest: "Strobl, Rahlves, Walchhofer. Maier. Fritz ist der logische Gejagte, zusammen mit Rahlves ist er der Stärkste." Für den dreifachen Familienvater ist der Freitagabend vor der Abfahrt sehr entscheidend. "Ich versuche, die Strecke möglichst perfekt in meinen Kopf rein zu kriegen. Abfahrt ist irgendwie auch ein bisschen Denksport und ich bin ja auch kein schlechter Schachspieler."

Maier zählt sich nur "abschnittsweise" zu den absoluten Sieganwärtern. "Mein Problem hier ist, dass ich gefährdet bin, eine zu schöne Linie zu fahren. Auf der Streif muss man es aber schon auch krachen lassen."

Ausgerechnet auf der legendärsten Abfahrt des Weltcups gab es diesmal nur ein Training. Der Dienstag-Probelauf wird jedoch nicht zur Vergabe der Startnummern herangezogen, die Favoriten kommen also allesamt am Ende der Top-30. Für Spannung ist also auch in dieser Hinsicht gesorgt.(APA)