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Gustav Klimts "Sonja Knips", 1898

Foto: APA/Österreichische Galerie Belvedere
Wien - Es ist eine undankbare Aufgabe für Sonja Knips - zumindest für deren Ölbildnis von Gustav Klimt in der Österreichischen Galerie Belvedere. Das Werk füllt seit Freitagmorgen jene Lücke, die "Adele Bloch-Bauer I" auf diesem Platz hinterlassen hat. Einige Tage zu früh, denn durch eine anonyme Zerstörungsdrohung mussten fünf Gemälde des Meisters bereits am Freitag aus Sicherheitsgründen den Weg in das Depot antreten. Und nun hängt eben Sonja Knips dort, die nur wenig Beachtung von den Besuchern geschenkt bekommt. Zumindest von jenen, die trotzdem das Haus betreten.

"Widerlich"

Eine Dame aus Wien verweigert dies angesichts der Lage. Sie kehrt bereits bei der Kassa um, nicht ohne vorher eine heftige Diskussion mit dem Personal anzuzetteln. "Ich bin noch einmal hierher gekommen, um Abschied zu nehmen", erzählt sie. Daraus ist nichts geworden. "Wütend" sei sie über die Groteske rund um die Klimt-Bilder: "Die Reaktion der österreichischen Regierung finde ich wirklich widerlich."

Ebenfalls "widerlich" sei, dass sie für den Museumsshop erst eine Eintrittskarte lösen muss, "das war früher nicht so". Die Deutschlehrerin für Ausländer hätte gerne ein paar Ansichtskarten der nun so gefragten Klimt-Bilder für ihre Schüler gekauft. Doch auch das geht nicht mehr: "Wie soll man so jemanden unsere kulturelle Identität nahe bringen?"

Weniger Besucher

Bereits an der Kassa weist man Besucher auf das Fehlen der Bilder hin, mündlich wird auf den Aushang hingewiesen, der die ganze Geschichte noch einmal aufrollt. Annähernd ein Drittel macht aus diesem Grund kehrt. "Die meisten, die bleiben, 'sind Touristen'", schätzt der Mann hinter dem Schalter die Lage ein. Und diese löchern wiederum bei den Führungen das Personal. "Es ist schon bedauerlich, wenn man gerade einen Tag zu spät kommt", meint ein Besucher aus Deutschland bei der Galerie-Tour. Rechtfertigungen folgen, eine Diskussion bricht aus. Ein junges Pärchen aus der Nähe von Hamburg sieht das gelassener: "Wir wären sowieso gekommen", meinen sie. Aber: "Es ist natürlich schade, dass die Bilder nicht mehr hier sind." Erfahren von der Diskussion rund um die Rückgabe haben sie bereits durch die deutschen Medien: "Die Zeitungen sind voll mit diesem Thema."

Nun gibt man sich eben mit Sonja Knips zufrieden, verharrt wird vor dem Werk aus dem Jahr 1898 allerdings nicht lange. Auch nicht die "Mohnwiese", die statt dem "Buchenwald" blüht, kann begeistern, oder das Bauernhaus, das statt "Adele Bloch-Bauer II" den Platz eingenommen hat. Und nicht einmal das "Schloss Kammer am Attersee" beeindruckt die Besucher so, wie es vermutlich die "Häuser in Unterach am Attersee" getan hätten.

Aushang sorgt für Aufsehen

Viel mehr Beachtung wird den Aushängen in der Galerie geschenkt, die den Besuchern die Lage nochmals schildern: "Auf Grund einer Drohung sieht sich die Österreichische Galerie Belvedere gezwungen, die Gemälde von Gustav Klimt abzuhängen und im Depot zu verwahren." Und auch der Schiedsspruch findet auf einem eigenen Ständer Platz. Zusätzliche Bemerkung nach dem offiziellen Text: "Die Rückgabe der Hauptwerke von Gustav Klimt bedeutet einem immensen Verlust für das Kulturland Österreich."(APA)