Istanbul/Vatikanstadt - Acht Tage nach seiner Haftentlassung ist der türkische Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca wieder festgenommen worden. Polizisten hätten Agca am Freitag in Istanbul gefasst, sagte Stadt-Gouverneur Muammer Güler dem türkischen Nachrichtensender NTV. Kurz zuvor hatte das Kassationsgericht in Ankara Agcas Entlassung als rechtswidrig eingestuft und seine erneute Inhaftierung verfügt.

Die vorzeitige Haftentlassung war von einem Istanbuler Gericht auf der Grundlage von Amnestie-Regelungen aus dem Jahr 2002 beschlossen worden. Das Justizministerium hatte dagegen Einspruch eingelegt.

Kein Widerstand

Agca habe bei der Festnahme keinen Widerstand geleistet, es habe keine Probleme gegeben, sagte Gouverneur Güler. Der 48-Jährige sei zum Hauptquartier der Polizei gebracht worden. Die Entscheidung des Kassationsgerichts zu seiner erneuten Inhaftierung sei einstimmig gefallen, berichtete Anadolu. Das Kassationsgericht war von Justizminister Cemil Cicek angerufen worden.

Agcas Rückkehr ins Gefängnis mit Genugtuung aufgenommen

Die erneute Inhaftierung des Papst-Attentäters Ali Agca (48) in Istanbul ist in der Türkei mit großer Genugtuung aufgenommen worden. "Ein Rechtsirrtum ist auf dem Rechtswege ausgeräumt worden", sagte Justizminister Cemil Cicek am Samstag dem türkischen Nachrichtensender NTV. Der Minister hatte die Aufhebung des Gerichtsbeschlusses beantragt, die Agca zur Haftentlassung verholfen hatte. Die Presse des Landes begrüßte die neuerliche Inhaftierung mit Schlagzeilen wie "Marsch, Marsch, ab in den Knast", "Er ist da, wo er hingehört" oder "Nach acht Tagen Urlaub wird er acht weitere Jahre sitzen".

Justizminister: Rechtsirrtum ausgeräumt

Justizminister Cicek wollte sich am Samstag nicht zu der Frage äußern, wie lange Agca jetzt noch im Gefängnis sitzen müsse. In einigen Presseberichten war von mindestens vier Jahren die Rede. Der türkische Generalstaatsanwalt Nuri Ok gehe davon aus, dass Agca nicht vor 2014 entlassen werde, hieß es in anderen Berichten.

Mord an türkischem Journalisten

Agca hatte seit 2000 in der Türkei eine Strafe für den Mord an dem türkischen Journalisten Abdi Ipekci sowie für zwei Bankraube verbüßt. Zuvor saß er wegen des Attentates auf Papst Johannes Paul II. 19 Jahre lang in Italien im Gefägnis. Agca hatte den Papst am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt. Nach der Haftentlassung in der vergangenen Woche wurde Agca von den Militärbehörden medizinisch untersucht und ausgemustert. Damit entfiel die Verpflichtung zur nachträglichen Ableistung des Militärdienstes.

"Messias" wolle Bin Laden jagen

Die türkischen Medien veröffentlichten in den vergangenen Tagen mehrere Briefe Agcas, die als Belege für seine geistige Verwirrung gewertet wurden. Agca unterzeichnete demnach mehrere Briefe mit "Der Messias", er bot seine Dienste bei einem Anschlag auf Terroristenführer Osama bin Laden an und behauptete, er habe einen Vorschlag des Vatikans abgelehnt, ihn zum Kardinal zu ernennen.

Der Chef der Schweizer Garde, Elmar Mäder, wies unterdessen darauf hin, dass der im vergangenen Jahr gewählte Papst Benedikt XVI. leichter vor Anschlägen zu schützen sei als sein Vorgänger. Benedikt XVI. suche bei Begegnungen mit Gläubigen weniger Kontakt mit der Menge, die Besucher würden besser überwacht, sagte Mäder am Freitag der italienischen Agentur ANSA. Die Schweizer Garde ist für den Schutz des katholischen Kirchenoberhaupts verantwortlich. Die direkten Leibwächter des Papstes müssen mindestens acht Jahre in der Schweizer Garde gedient haben. (APA/dpa/ANSA)