Wr. Neustadt/Wien – Sie seien "nicht besonders auffallend gekleidet" und "sehr jung", manche erst zwölf, 13 Jahre alt. Sie kämen "aus österreichischen wie aus eingewanderten Familien" in sozialen Randlagen. Sie bildeten Gruppen mit einem "strikten Ehrenkodex nach außen", sowie mit "hoher Gewaltbereitschaft" – die sie aber fast ausschließlich in Gruppenkämpfen, also nicht Außenstehenden gegenüber, ausagierten.

So beschreibt Anna Lesnik, Geschäftsführerin des Wiener Neustädter Sozialarbeit- und Streetworkvereins "Jugend & Kultur" jene "40 bis 50" Kids, die seit mehreren Monaten, vor allem in Wochenendnächten, in oftmals betrunkenem Zustand das Beiselviertel der südniederösterreichischen Stadt unsicher machen. So wie ähnliche Gruppen es in Linz oder Salzburg tun.

Für die Sozialarbeiterin ist das eine "Vorstufe zu französischen Verhältnissen". Die Jugendlichen kämen alle aus der Region, aus Familien, die hart ums Überleben kämpfen müssten. "Von Freizeitaktivitäten ohne Gewaltbereitschaft haben diese Kids keine Ahnung", sagte sie am Freitag bei einer Enquete in Wiener Neustadt zu dem Thema.

Senkung der Strafmündigkeit von 14 auf 13 Jahre

Die Vandalenakte der Jugendgangs haben laut Anton Aichinger, Direktor der Wiener Neustädter Bundespolizeidirektion, 2005 zu "rund dreißig Anzeigen wegen Sachbeschädigung in der City" geführt. Die Senkung des Strafmündigkeitsalters von 14 auf 13 Jahre, wie es vor wenigen Tagen Parlamentsklubobmann Herbert Scheibner (BZÖ) vorgeschlagen hat, ist für den Polizisten trotzdem "kein passender Weg".

Vielmehr müssten "die Citys besser überwacht" werden – und die Jugendlichen "durch verstärkte Betreuungsmaßnahmen integriert". Eine Ansicht, die er mit Lesnik teilt: Vor allem Streetworkmaßnahmen sollten stark verstärkt werden, rät sie.(Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 21.1.2006)