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Archivaufnahme von Wilson Pickett beim New Orleans Jazz and Heritage Festival im Mai 2001.

Foto: AP Photo/Douglas Mason

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Wilson Pickett, der "schwarze Leopard" des Soul und als solcher live wie auf Platte ein Naturereignis, starb am Donnerstag 64-jährig in Reston, Virginia.

Foto: APA/epa/Eric Cabanis

Reston/Virginia - Wilson Pickett hatte den Ruf, ein Hitzkopf zu sein. Als Percy Sledge (When A Men Loves A Woman) ihm einmal ein Kompliment machen wollte und seine Stimme mit der des großen Otis Redding verglich, fand sich Sledge plötzlich in einem Faustkampf mit Pickett wieder. Er wollte mit niemandem verglichen werden. Was Pickett zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Der als friedfertig bekannte Sledge trainierte regelmäßig Boxen - Pech für Pickett, der so mit einem "Sledge-Hammer" Bekanntschaft machte.

Eine andere Anekdote: Als Pickett, den der Soul-Produzent Dan Penn wegen seiner eleganten, extravaganten Erscheinung als "Schwarzen Leoparden" beschrieb, zum ersten Mal für Plattenaufnahmen nach Muscle Shoals, Alabama, in den Süden der USA flog, wollte er das Flugzeug nicht verlassen, weil er vom Fenster aus Schwarze wie zu Sklavenzeiten beim Baumwollpflücken sah: "Bring me back north!", soll er mehrmals gerufen haben, bevor er doch noch zum Aussteigen überredet werden konnte.

Doch genau diese Ausflüge in den Süden, zu Stax in Memphis oder in das Fame-Studio in Muscle Shoals, sollten den Stern des wilden jungen Mannes aufgehen und erstrahlen lassen: Dort nahm er Hits auf wie In The Midnight Hour, 634-5789, Land Of A 1.000 Dances oder Mustang Sally auf.

Stücke, die die rohe Energie des Blues mit der Eleganz des Rhythm 'n' Blues in einer die Massen überzeugenden Art miteinender fusionierten und Pickett zu einem der Superstars des Soul werden ließen. Jerry Wexler, Produzent und Wegbegleiter von Picketts Karriere: "Selbst wenn Pickett zu kreischen begann, traf er immer noch alle Noten".

Geboren wurde der Sänger am 18. März 1941 in Prattville, Alabama, aufgewachsen war er in Detroit, wo er Anfang der Sechzigerjahre bei The Falcons einstieg. Nach dem Erfolg mit I Found A Love startete der Egomane seine Solokarriere und hatte mit If You Need Me einen ersten Hit, mit dem er auch die Aufmerksamkeit von Atlantic Records in New York erregte, bei denen Jerry Wexler mit großem Erfolg schwarze Künstler unter Vertrag nahm und mit ihnen im Süden Hits produzierte.

Der Soul Clan

Bis in die späten 70er nahm Pickett - unter anderem mit Bobby Womack - beständig gute Alben auf. In den 80ern wurde es stiller um ihn. Für den Alan-Parker-Film The Commitments (1991) war Pickett namenloses Vorbild, in den unsäglichen Blues Brothers 2000 war er ebenso zu sehen wie in der Soul-Doku Only The Strong Survive von D. A. Pennebaker. Auch im fortgeschrittenen Alter blieb der mit der Super-Group The Soul Clan (Solomon Burke, Joe Tex, Don Covay, Ben E. King) assoziierte Künstler ein Heißläufer: 1991 wurde er verhaftet, weil er mit dem Auto in den Vorgarten des Bürgermeisters von Englewood, New Jersey, raste und Morddrohungen gegen diesen ausstieß.

Auch wegen Drogenbesitz und Handgreiflichkeiten gegen seine Freundin saß Pickett in den 90ern ein. Auf seinem 1999 erschienen Album It's Harder Now singt Pickett den Song Soul Survivor, in dem er über verlorene Weggefährten wie Marvin Gaye, Joe Tex oder - spät versöhnt - Otis Redding sinniert. Nun ist Pickett mit ihnen vereint. Am Freitag ist Picket 64-jährig in Reston, Virginia, an einem Herzinfarkt gestorben.