Wien - Der "Saliera"-Diebstahl hatte bereits 2003 eine vehement geführte Debatte zu den Sicherheitsmaßnahmen der heimischen Museen ausgelöst. In der Folge wurde 2005 und 2006 ein Sonderbudget in der Höhe von jährlich fünf Mio. Euro "für die Verbesserung von Sicherheitsanlagen" zur Verfügung gestellt. "Wir waren dabei die Hauptnutznießer und haben jeweils rund zwei Mio. Euro bekommen", sagte der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel am Montag.

Sicherheitseinrichtungen "maßgeblich nachgerüstet und verbessert"

In einer Aussendung betont das KHM, seit dem Diebstahls der "Saliera" seien die Sicherheitseinrichtungen "maßgeblich nachgerüstet und verbessert" worden. "Vor allem die Videoüberwachung wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht, und es wird digital aufgezeichnet. Auch in die technische und personelle Sicherheit wurde investiert. Im Bereich Einbruchstechnik wurden zahlreiche Komponenten erneuert. Die Organisationsstrukturen der eigenen Abteilung für Sicherheit wurden maßgeblich verbessert, das Sicherheitspersonal wird besser ausgewählt, besser geschult und effizienter eingesetzt."

"Der Täter war - wie ich immer gesagt habe - ein Professionist, der sich seit Jahren mit Sicherheitsanlagen und daher auch mit Einbruchsmöglichkeiten beschäftigt hat", sagte Seipel, "Und: Er hat ja die Sicherheitsanlage ausgelöst." Das Wachpersonal hielt damals jedoch keine Nachschau, drehte nicht einmal das Licht auf. Heute würde jedoch das Licht in den betroffenen Sammlungsteilen automatisch eingeschaltet, bestätigte Seipel.

Sicherheitsstandards wären international vergleichbar

"Das Kunsthistorische Museum kann sich auch international gesehen im Bereich Sicherheit durchaus mit vergleichbaren Institutionen in aller Welt vergleichen", heißt es seitens des Museums. Nur so sei gewährleistet, dass das Museum auch Leihgaben von großen internationalen Museen bekommen. Dass das KHM nicht das "Gütesiegel" des "International Council of Museums" (ICOM) mit Sitz in Paris trage, dessen Richtlinien auch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen forderten, sei nicht ungewöhnlich, betonte Seipel auf Nachfrage: "Das ist eher für kleine Museen, da spielen wir in anderen Kategorien. Unsere Sicherheitsmaßnahmen werden von den Versicherern immer wieder neu abgenommen. Da brauchen wir kein Zertifikat."

Der selbst als Alarmanlagenerrichter tätige mutmaßliche "Saliera"-Dieb hatte bei einem Museumsbesuch gesehen, dass die Sicherheitsmaßnahmen "nicht am letzten Stand" waren, ließ sein Anwalt verlauten. Dieser "letzte Stand" ändere sich freilich ständig, schildert Dieter Herbst, Pressesprecher des Österreichischen Wachdienstes (ÖWD). Neueste Entwicklung sei etwa ein "Laserflächenvorhang", der ganze Fassaden flächendeckend umspannt und bei Eindringen den Alarm auslöst. Eine gängige Alarmanlage reiche jedenfalls längst nicht mehr aus, neben permanenter Videoüberwachung sollte auch mindestens eine "mechanische Barriere" zwischen Kunstwerk und Dieb aufgebaut werden.

Künftig Spezialvitrine für "Saliera"

Bei der Wiederpräsentation der "Saliera" soll es jedenfalls dank Spezialglas nicht mehr möglich sein, mit einem simplen Brecheisen die entsprechende Vitrine zu zerstören, versicherte Seipel und versprach "natürlich besondere Sicherheitsvorkehrungen". Den in einer Zeitung gemachten Vorschlag des Anwaltes, der Dieb könne doch künftig bei der Sicherung des Museums mithelfen, findet Seipel nur wenig lustig: "Auf diese Beratung kann ich verzichten." Bei der bisherigen Verantwortung des mutmaßlichen Diebes handle es sich "ausschließlich um Schutzbehauptungen des Täters, der ein Verbrecher ist und kein liebenswürdiger Normalbürger, wie er jetzt manchmal dargestellt wird. Er hat das lange geplant."

Einen anderen Schuldigen hat der "Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs" (VSÖ) geortet: "Die Systemproblematik beginnt bei mangelnden Überprüfungen der Sicherheitsunternehmen innerhalb Österreichs und endet bei unqualifizierten Sicherheitsunternehmen aus dem EU-Raum bzw. dem benachbarten Ausland", heißt es in einer Aussendung, "In Österreich sind der VSÖ und die Zertifizierung des VSÖ hingegen ein sicheres Qualitätsmerkmal." Nicht nur das KHM, auch der "Saliera"-Dieb scheint ohne Zertifikat zu sein: Er findet sich jedenfalls nicht auf der VSÖ-Mitgliederliste.

>>>Täter kritisierte Sicherheitsausrüstung des Museums

Täter kritisierte Sicherheitsausrüstung des Museums

Der Anwalt, der nach der Verhaftung des 50-jährigen Robert M. mitgeholfen hat, diesen zur Herausgabe der "Saliera" zu bewegen, hat am Rande der Pressekonferenz den Täter als jemand geschildert, "der niemandem etwas angetan hat, außer dass er uns alle drei Jahre auf Trab gehalten hat." Der Täter habe gesagt, dass die viel kritisierte, jedoch laut Bildungsministerium internationalen Standards entsprechende Sicherheitsausrüstung des KHM "nicht am letzten Stand" gewesen sei, so Rechtsanwalt Gerald Albrecht vor Journalisten.

Der Anwalt widersprach auch der Auffassung, dass die Tat nur von einem "hochspezialisierten Experten" durchgeführt hätte werden können, wie Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) betont hatte. "Wir hätten das eigentlich alle machen können", so Albrecht. Dazu wäre lediglich eine halbe Stunde Einschulung, ein Messer und ein Werkzeug zum Scheibeneinschlagen nötig gewesen. Der Fehler des Täters sei gewesen, dass er den Diebstahl in die Tat umgesetzt hat, sagte Albrecht. "Es war ein plötzlicher Tatentschluss. Er geht irgendwann einmal (beim Kunsthistorischen Museum, Anm.) vorbei und denkt sich: Das gibt's nicht, da steht ein Gerüst", schilderte Albrecht.

Hemmschwelle

Der zuvor unbescholtene Robert M. habe nach dem erfolgreichen Diebstahl der "Saliera" "einfach nicht gewusst, was er damit tun soll", so Albrecht. Daher habe es nach dem ersten gescheiterten Kontaktnahmeversuch zwei Jahre (bis Herbst 2005) gedauert, bis der Täter erneut in Erscheinung getreten ist. Der Täter habe "immer seine Hemmschwelle gewahrt" und davon abgesehen, das Objekt "einfach wegzuhauen. Er hat nie schädigende Tatschritte gesetzt".

Der Anwalt ist überzeugt: "Bei allem, wofür er gerade stehen muss - es kann ja eigentlich nichts Besseres passieren, als wenn das so ein Mensch macht. Hätten wir einen Auftragstäter, würde die 'Saliera' nie wieder auftauchen und ein reicher Mäzen würde einmal in der Woche seinen Kasten aufmachen und sich das anschauen. Hätten wir irgendeine Rumänien-Bande, hätten wir jetzt ein Klumperl Gold."

Freude am Katz- und Mausspiel

Die "Schnitzeljagd", die der Täter mit der Polizei und der Versicherung veranstaltet hat, habe in M. eine "gewisse Freude" am "Katz- und Maus-Spiel" ausgelöst. "Eigentlich ging es ihm ums Spielen", so Albrecht. "Er wollte kein Geschäft daraus machen". M. habe aber auch "immer wieder sehr große Angst gehabt" und sich auch nie jemandem anvertraut. "Es war unglaublich, wie er das mit sich selbst ausgemacht hat." Auch in der Nacht des Diebstahls sei er zuvor alleine weg gewesen.

Nachdem nun die Geschichte zum Abschluss gekommen ist, war der Täter "sehr erleichtert". Albrecht habe ihm im Zuge der Gespräche am Samstagmorgen gesagt, "das Wichtigste ist, es muss dieses Kunstwerk zurück. Wenn ich jemandem 50 Mio. Euro schulde, ist das sehr schwer aufzubringen." Dies habe zur Überzeugung des Täters viel beigetragen. Albrecht betont: "Ganz wichtig: Ohne ihn wäre es nicht gegangen. Hätte er auf stur geschaltet, hätten wir die 'Saliera' verloren." (APA)