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Mit dem gebürtigen Wiener Josef E. Köpplinger erhält das Stadttheater Klagenfurt einen Musiker und Regisseur als Intendanten.

Foto: APA/Gert Eggenberger
Klagenfurt - Der neue Intendant des Klagenfurter Stadttheaters, Josef Köpplinger, will auch qualitative Musical-und Operettenproduktionen anbieten. Für eine Kooperation mit der Seebühne ist der neue Intendant durchaus "offen". Kulturreferent Martin Strutz (BZÖ) kündigt ein langfristiges Qualitätskonzept für die Seebühne an, an dem der neue Intendant eingeladen sei mitzuwirken. (stein/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2006)

"Unterhaltung mit Haltung"

Das Hearing mit den verbliebene fünf Kandidaten brauchte auch gleich die endgültige Entscheidung: Josef E. Köpplinger wurde zum Nachfolger von Dietmar Pflegerl als Intendant des Stadttheaters Klagenfurt gewählt. Köpplinger bezeichnete seine Kür als "spannende Herausforderung", dass er einstimmig gewählt worden war, überraschte ihn.

Gefragt, mit welchen Argumenten er den Ausschuss so für sich eingenommen hätte, meinte er: "Worte sind Worte, denen müssen Taten folgen." Er wolle "sinnliches und sinnhaftes Theater" machen. Ein besonderes Gewicht will der 42-Jährige auf österreichische Autoren legen: "Die will ich fördern und fordern." Aber auch der deutschen Spieloper und der Operette wolle er zu einem neuen Stellenwert verhelfen, kündigte er an. Er werde jedenfalls alles daran setzen, die hohe Qualität, die Pflegerl in Klagenfurt geschaffen habe, zu halten.

Mit Köpplinger erhält das Stadttheater Klagenfurt einen Musiker und Regisseur als Intendanten. Köpplinger, 1964 in Wien geboren, studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, aber auch an der Lee Strassberg School New York, an der Covent Garden Musical School und in Paris. Er arbeitete zuerst mit einer freien Gruppe, 1988 erhielt er ein Engagement an den Städtischen Bühnen in Regensburg.

Seit 1990 ist Köpplinger als freischaffender Regisseur aktiv, er arbeitete an den Berliner Kammerspielen, im Manchester National Theatre, am Tampa Opera House in Florida, aber auch an zahlreichen österreichischen Bühnen, von der Kleinen Komödie Wien über das Volkstheater und die Kammeroper bis zum Landestheater Salzburg, dem Grazer Opernhaus und dem Stadttheater Klagenfurt.

Weg von St. Gallen

1999 übernahm er die Intendanz der Sommerfestspiele in Bruck/Leitha, 2004 wurde er Schauspielintendant am Theater St. Gallen. Dort rief er die Autorentage, einen Literaturwettbewerb, ins Leben. Auf die Frage, ob es ihm darum nicht Leid tue, meinte er: "So etwas kann man ja mitnehmen, das kann ja auch hier in Klagenfurt entstehen."

Für die Intendanz in Klagenfurt habe er sich beworben, "weil ich so etwas wie ein Ausbildungszwitter bin". Er sei Schauspieler ebenso wie Pianist. "Allerdings ein schlechter", fügte er hinzu. Dieses Zwitterdasein sei "die Grundvoraussetzung in mir, beide Seiten zusammenzuführen". Angesprochen auf die Sträuße, die der jetzige Klagenfurter Theaterdirektor Dietmar Pflegerl mit der Politik auszufechten hatte, meint Köpplinger:

"Für mich zählt der Mensch, und ich fürchte mich vor keinem Menschen, sondern will sie kennen lernen." Daher fürchte er sich auch in keiner Weise vor dem Job, "sonst hätte ich mich nicht beworben". Er wolle dem Theaterpublikum "Unterhaltung mit Haltung" bieten. Provinz finde immer nur in den Köpfen statt, "es gibt sie nicht wirklich". (APA, tos, DER STANDARD, Printausgabe vom 23.1.2006)