Wien - Für SPÖ-Bundesgeschäftsführer Darabos sind auch nach dem Fund der "Saliera" Museumsdirektor Seipel und Bildungsministerin Gehrer rücktrittsreif. Anstatt sich öffentlich feiern zu lassen, sollten beide die Konsequenzen aus ihrer Mitverantwortung für den Kunstdiebstahl ziehen, verlangte Darabos am Montag.

Die Aussagen des mutmaßlichen Diebes würden die Kritikpunkte der SPÖ an den Sicherheitsvorkehrungen "mehr als bestätigen". Dass es sich bei dem Diebstahl offensichtlich um eine "b'soffene Geschichte" gehandelt habe und dass der Dieb ohne größere Schwierigkeiten in das Museum eindringen konnte, würde bestätigen, dass "Schlamperei" in das Kunsthistorische Museum unter Seipels Führung Einzug gehalten habe. Seipel solle folglich seinen Rücktritt nicht nur ankündigen - wie beim Diebstahl der "Saliera" - sondern auch durchziehen. "Ein Rücktritt Seipels wäre jetzt ein Zeichen von Größe."

Auch Gehrer wäre besser beraten, die Konsequenzen zu ziehen, als sich mit dem wiedergefundenen Kunstgut in den Medien abbilden zu lassen. Das Festhalten von Gehrer an dem Museumsdirektor sei falsch gewesen. Sowohl Seipel als auch Gehrer hätten nichts zum Fund der "Saliera" beigetragen - die eigenen, "dilettantischen" Ermittlungen Seipels bei der "italienischen Mafia" hätten nur Krimiszenen nachahmen wollen und zeige bloß, wie Seipel mit Geldern umgehen würde. Darabos' ganze Achtung gilt der Exekutive.

Grüne: KHM gesichert "wie ein Würstelstand"

Scharfe Attacken gegen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) und Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), ritt am Montag der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl bei einer Pressekonferenz in Wien. Für ihn sei die Freude im Ministerium nach dem Fund der "Saliera" nicht nachvollziehbar, "in Wirklichkeit ist dieses Museum gesichert wie ein Würstelstand auf der Donauinsel". Zinggl forderte erneut den Rücktritt Seipels.

"Dass sich Seipel wie ein guter Hirte präsentiert, dem ein abhanden gekommenes Schäfchen wieder zugelaufen ist, verstehe ich nicht", kritisierte Zinggl die Euphorie nach der Lösung des "Saliera"-Falles. Ein weiterer Vergleich des Kultursprechers: "Nun behandelt man die Saliera wie ein Baby, das statt eines Schnullers einen Dreizack zurückgesteckt bekommt." Zinggls Kritik zielte vor allem auf vermutete Sicherheitsmängel im KHM ab: "Wenn Gehrer nach wie vor der Meinung ist, bei dem Saliera-Dieb handele es sich um einen Experten, dann hat dieser der Polizei deutlich gezeigt, wie schlecht die Sicherheit im Museum war".

Kritik gab es auch erneut an einem zweiten Gerüst, das zum Zeitpunkt des "Saliera"-Diebstahls vor dem Kunsthistorischen Museum errichtet gewesen sei. Dieses habe überhaupt keine Funktion gehabt, außer als Träger für ein ÖVP-Plakat. Selbst Expertenwarnungen bezüglich dieses Risikos seien damals "in den Wind geschlagen" worden.

Aber nicht nur Seipels Verhalten in der Causa "Saliera" löst bei Zinggl Unzufriedenheit mit der Führung des Hauses aus: So würden Jahr für Jahr weniger Menschen das Museum besuchen. Und betreffend zukünftiger Sonderausstellungen sieht der Grüne schwarz: Derzeit sei nichts geplant, meinte er, eine diesbezügliche Anfrage bei der Ministerin sei unbeantwortet geblieben. Rücktrittsforderungen werde es also auch in Zukunft geben: "Seipel ist eine Kühlerfigur, die von der ÖVP im Sinne der Freunderlwirtschaft gehalten wird."

Reaktion Gehrers: Rücktrittsforderungen sind "alte Hüte"

Als "alte Hüte" bezeichnete Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) die Rücktrittsaufforderungen an den Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, nach den am Sonntag bekannt gewordenen Details zum Diebstahl der Saliera. Die Kritik des mutmaßlichen Täters Robert M. (50), dass die Sicherheitseinrichtungen im KHM "nicht am letzten Stand" gewesen sind, weist Gehrer zurück: "Dem widerspreche ich auf das Entschiedenste."

Gehrer verwies erneut auf die "internationalen Standards", die "auch im Fall des Kunsthistorischen Museums erfüllt waren. Die Alarmanlage hat nachweislich funktioniert, es waren die Aufseher, die versagt haben." Details zu den Verbesserungen bei den Sicherheitsanlagen in den Bundesmuseen wollte Gehrer nicht nennen. "Wir haben fünf Mio. Euro investiert, im Detail sage ich aber nicht, wofür", so die Bildungsministerin am Rande einer Pressekonferenz.

Als "ausgemachten Blödsinn" bezeichnete Gehrer Überlegungen, nach denen die UNIQA-Versicherung, die sich durch das Wiederauftauchen der "Saliera" etliche Millionen Euro erspart hat, sich nun doch mit einer größeren Summe am Kauf von Klimt-Bildern aus der Österreichischen Galerie Belvedere beteiligen könnte.

Auch Lopatka weist Kritik zurück: "SPÖ-Parteilinie ist Schlechtreden und Neinsagen"

Die SPÖ-Rücktrittsaufforderung an Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) geht für ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka ins Leere: Experten hätten mehrfach bestätigt, dass die Sicherheitsvorkehrungen der österreichischen Bundesmuseen internationalen Standards entsprechen würden, außerdem investiere man auch 2006 zusätzlich fünf Millionen Euro in den weiteren Ausbau. "Wenn bei der SPÖ eine Parteilinie zu erkennen ist, dann nur beim Schlechtreden und Neinsagen", sagte Lopatka laut einer Aussendung am Montag.

Ein "klarer Beweis" für die erfolgreiche Politik von Gehrer seien auch die steigenden Besucherzahlen und "ein international hervorragendes Renommee" der Museen in Österreich. Darabos hatte Gehrer und Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums, am Montag erneut zum Rücktritt aufgefordert, weil die Aussagen des mutmaßlichen Diebes der wiedergefundenen "Saliera" die Kritikpunkte der SPÖ bestätigen würden. (APA)