Gaza/Ramallah/Jerusalem - Zwei Tage vor der palästinensischen Parlamentswahl hat die ultraradikale Organisation "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) am Montag zum Boykott der Abstimmung im Gaza-Streifen und Westjordanland aufgerufen. Israel will während der Wahl am Mittwoch auf Militäreinsätze gegen palästinensische Extremisten verzichten, wie das Verteidigungsministerium in Jerusalem bekannt gab. Ausnahmen solle es nur im Falle einer "tickenden Bombe" - eines Attentäters auf dem Weg zu einem Anschlag - geben, teilte eine Armeesprecherin am Montag mit.

"Wir rufen unsere Kämpfer und Anhänger auf, in keiner Form an der Wahl teilzunehmen", erklärte die Gruppe Jihad Islami, die keine Parlamentskandidaten nominiert hat. Dagegen nimmt erstmals die radikale Hamas an einer palästinensischen Parlamentswahl teil. Beide Organisationen bestreiten das Existenzrechts Israels. Der Jihad ist für mehrere Anschläge der vergangenen Monate in Israel verantwortlich, so auch für das Selbstmordattentat in Tel Aviv vom vergangenen Donnerstag.

Keine israelischen Einsätze am Wahltag

In der Nacht auf Montag nahmen die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben 24 mutmaßliche Extremisten in den besetzten Gebieten fest, darunter Mitglieder von Hamas und Jihad. Bis Mittwoch will das israelische Militär von Einsätzen im Westjordanland Abstand nehmen. Die Armee werde sich aus den Städten im Westjordanland fern halten, verlautete aus Militärkreisen. Für den Wahltag gilt eine erhöhte Alarmstufe, da dem israelischen Geheimdienst Warnungen vor Anschlägen vorliegen.

Fatah ruft zur Zusammenarbeit mit Hamas auf

Israel stellt sich laut Medienberichten auf einen möglichen Hamas-Sieg ein. Die Tageszeitung "Haaretz" zitierte Militärkreise mit der Einschätzung, die Hamas werde auch nach den Wahlen an der Waffenruhe festhalten. Generalstabschef Dan Halutz schloss dennoch eine Eskalation der Gewalt nach den Wahlen nicht aus. Der nominelle Spitzenkandidat der Regierungspartei Fatah, Marwan Barghouti, der in Israel eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, hat zur Zusammenarbeit mit der Hamas aufgerufen. Fatah und Hamas hatten sich in einer am vergangenen Donnerstag in Gaza veröffentlichten gemeinsamen Erklärung zur Kooperation nach den Wahlen bekannt.

Umfrage: Fatah um über 8 Prozent voran

Fatah und Hamas haben am Montag ihr Werben um die Stimmen Unentschlossener noch einmal verstärkt. Die Fatah rief zum Abschluss des Wahlkampfs am Montagabend zu einer Kundgebung vor dem Haus des verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat in Gaza-Stadt auf. Nach einer am Montag veröffentlichten Umfrage käme die Fatah von Präsident Mahmoud Abbas und Premier Ahmed Korei auf 42,8 Prozent, die Hamas auf 34,2 Prozent. Insgesamt kandidieren elf Listen, von denen die Fatah die Nummer 11 und die Hamas die Nummer 6 trägt. 1,34 Millionen Palästinenser haben sich in die Wählerlisten eintragen lassen. Gewählt werden 132 Abgeordnete in 16 Wahlkreisen nach einem Mischsystem aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht. Bisher hatte der Legislativrat (PLC), der 1996 gewählt wurde, 88 Mitglieder. Die Fatah verfügte über die Zweidrittelmehrheit. (APA/AP/dpa/Red)