Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: Reuters/Masood
Wien - In der EU hat eine neue Debatte um Anbau-Regeln für genverändertes Saatgut begonnen - und darüber, wie hoch der genveränderte Anteil in einem Produkt maximal sein darf, damit es noch "Bio" ist. In Wien wird vom 4. bis zum 6. April die "erste europäische Gentechnik-Konferenz" stattfinden.

Die "Koexistenz" - die Frage, wie groß der Sicherheitsabstand zwischen einem Feld mit genverändertem Saatgut und einem konventionellen Anbaugebiet sein muss - werde dabei im Mittelpunkt stehen, sagte EU-Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer-Boel am Montag am Rande des EU-Agrarministerrats in Brüssel.

Im Jahr 2003 hatte der damalige EU-Landwirtschaftskommission Franz Fischler nach monatelangen Debatten bei der Vorlage der nun geltenden Freisetzungsrichtlinie auf konkrete Vorschriften zur "Koexistenz" verzichtet. Die Kommission hatte damals darauf verwiesen, dass dies wegen der unterschiedlichen Feldergröße, Produktionssysteme und klimatischen Bedingungen nicht möglich sei.

Selbst entscheiden

Die Mitgliedstaaten entscheiden seither selbst. Brüssel beschränkt sich auf rechtlich nicht verbindliche Empfehlungen "vom Feld bis zum Silo" und auf die Vorgabe einer "Sicherheitsdistanz" zwischen Feldern mit und ohne GVO-Anpflanzungen, wenn der Pollenflug die herkömmliche Ernte "kontaminieren" könnte.

Aus österreichischer Sicht ist jedoch eine präzisiere grenzüberschreitende Regelung notwendig. Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es, in den Grenzregionen würden immer mehr Bio-Bauern ihre Besorgnis äußern, dass es auf Grund des Pollenflugs über die Grenzen hinweg zu so genannten "Auskreuzungen" und damit zu Verunreinigungen des Bio-Produkts mit gentechnisch verändertem Saatgut kommt.

In Österreich gilt ein Produkt derzeit bereits dann nicht mehr als gentechnikfrei, wenn es zu 0,1 Prozent mit gentechnisch veränderter Organismen (GVO) verunreinigt ist - sprich wenn man eine Verunreinigung nachweisen kann. Die EU-Kommission sieht dagegen in ihren Regelungen eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmitteln erst ab einer unbeabsichtigten GVO-Verunreinigungen von über 0,9 Prozent vor.

EU-Kommissarin Fischer-Boel hat die EU-Regelung am Montag verteidigt. "Warum sollten wir die Bauern für etwas bestrafen, wofür sie nichts können", meinte sie vor Journalisten. Je niedriger man die Verunreinigungsgrenze ansetze, desto teurer werde die Produktion für die Landwirte, meinte die Kommissarin. Der bewusste Anbau von GMOs sei aber deklariert konventionellen Landwirten grundsätzlich strikt verboten, betonte Fischer-Boel. (APA)