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Die dänische Regierung will Männer, die Kindern gegenüber sexuell straffällig geworden sind, nach ihrer Haftstrafe zwangsweise chemisch kastrieren lassen. An einem Gesetzesentwurf wird gearbeitet, die medizinische Fachwelt des Landes ist aber entschieden dagegen. An einem Gesetzesentwurf wird gearbeitet, die medizinische Fachwelt des Landes ist aber entschieden dagegen.

Kopenhagen – In Dänemark ist eine heftig umstrittene Gesetzesvorlage auf dem Weg: Männer, die wegen sexueller Straftaten an Kindern verurteilt wurden, sollen nach Verbüßung ihrer Haftstrafe chemisch zwangskastriert werden. Das soll ihnen die Möglichkeit geben, befreit von ihrer zwanghaften Lust ein Leben ohne Rückfälle zu führen. Bisher war in Dänemark eine solch Maßnahme nur freiwillig möglich.

Die dänischen Sozialdemokraten hatten davor gewarnt, dass Kinder bisher nicht ausreichend Schutz vor solchen Tätern bekämen und forderten die obligatorische Kastration. Auch die Regierung befürwortet dies, nun prüft die christdemokratische Justizministerin Lene Espersen eine gesetzliche Umsetzung.

Neue, positive Studie

In ihre Entscheidung fließt eine neue dänische Studie ein, die der chemischen Kastration großteils positive Wirkung zumisst. Gemeint ist eine Behandlung, die den Sexualtrieb durch Hormonspritzen aufhebt.

Morten Boskov, der Sprecher für Rechtsfragen bei den Sozialdemokraten, möchte, dass Gerichte darüber entscheiden, wie lange Kinderschänder medizinisch kastriert bleiben sollen, abhängig davon, wie schwer der sexuelle Zwang des Täters ist.

"In ein paar Einzelfällen ist die Kastration vielleicht nicht notwendig. Als Faustregel muss aber gelten, dass wirklich jeder, der ein so furchtbares Verbrechen begangen hat, zu chemischer Kastration verurteilt werden muss", sagte Boskov dem STANDARD.

Opposition und Regierung sind über die Nützlichkeit eines solchen Verfahrens weitgehend einig. "Das liegt daran, dass wir in der Vergangenheit äußerst positive Erfahrungen mit Pädophilen gesammelt haben, die sich freiwillig kastrieren ließen, weil sie sich eingestanden haben, ihren kranken Trieb nicht ohne Hilfe unter Kontrolle halten zu können", sagt Boskov. "Rückfälle von einmal verurteilten Kinderschändern können wir so endlich verhindern."

Entsetzte Reaktionen

Dänische Ärzte und Menschenrechtsorganisationen äußerten sich entsetzt zur Zwangskastration. "Ich glaube nicht, dass man Gerichte in die Behandlung von kranken Menschen miteinzubeziehen sollte. Das ist alleine Sache der Ärzte und ihrer Patienten", sagt Psychiater Steen Mollerup, der sich mit Kastrationsauswirkungen beschäftigt.

"Mich erinnert das an die islamische Scharia, die empfiehlt, einem Dieb die Hand abzuhacken", kritisiert auch Elisabeth Arnold, Sprecherin der dänischen Liberalen.

In Deutschland können Pädophile zwar zu einer Psychotherapie gezwungen werden, nicht aber zu einem medizinischen Eingriff. In Österreich sind solche Maßnahmen grundsätzlich verboten, da ihre Wirkungen sehr umstritten sind. Experten meinen, dass eine Zwangskastration bei gefährlichen Sexualstraftätern den Aggressionstrieb sogar noch verstärken kann. (DER STANDARD-Printausgabe, 24.01.2006)