Innsbruck - Ein Freispruch ist im Fall des wegen Beitragstäterschaft zum Mord an einer 19-jährigen Libanesin angeklagten Jordaniers am Landesgericht in Innsbruck gefällt worden. Staatsanwalt Wilfried Siegele hatte am Montagnachmittag die Anklage zurückgezogen. Denn im Zeugenstand hatte der wegen Mordes an seiner Schwester verurteilte Libanese ausgesagt, dass er die Tat alleine begangen habe.

Die 19-Jährige war mit 14 Messerstichen getötet worden, weil sie durch angebliche Männerbekanntschaften "Schande über die Familie" gebracht hatte. Der Fall war aufgerollt worden, nachdem nach der Verhandlung gegen den Bruder des Opfers jemand aus dem Zuschauerraum auf Arabisch gerufen hatte, der Libanese solle endlich seinen Mittäter nennen. Daraufhin war es zu neuerlichen Einvernahmen gekommen.

Dem 39-jährigen Jordanier wurde schließlich von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, er habe den Bruder des Opfers in seinem Tatentschluss bestärkt. Zudem habe er Bruder und Schwester zum späteren Fundort der Leiche gefahren. Dort habe er den jungen Mann aufgefordert, noch öfters zuzustechen, hieß es in der Anklageschrift.

Zeugenaussage

Im Zeugenstand gab der Bruder des Opfers an, er habe den Angeklagten der Beitragstäterschaft beschuldigt, da er erfahren habe, dass der 39-jährige Jordanier in seine Schwester verliebt gewesen sei. Dies habe ihm "nicht gepasst, weil der Jordanier viel zu alt für seine Schwester" gewesen sei. Der Angeklagte sei zuvor wie ein Bruder für ihn gewesen, sagte der Libanese. Bei der entlastenden Aussage des Libanesen brach der Angeklagte in Tränen aus.

Der Mord an der 19-jährigen Libanesin hatte sich am 29. März 2004 ereignet. Der Bruder des Opfers hatte der jungen Frau zunächst mehrere Faustschläge auf den Kopf versetzt und sie mit ihrem Gesicht ins Bett gedrückt, bis sie bewusstlos war. Danach würgte er sie. Schließlich hatte er die junge Frau mit einem Küchenmesser mit 14 Stichen in Brust und Hals getötet. Wenige Tage vor der verhängnisvollen Tat hatte die junge Frau bei der Polizei eine Strafanzeige gegen einen ihrer Brüder wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung gemacht. (APA)