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Foto: APA/Brandenstein
Wien - Die Wiener Schriftstellerin Inge Merkel ist am 15. Jänner in ihrem 84. Lebensjahr gestorben. Seit dem eher späten Schritt auf die Bühne der Literatur - sie war bereits 60 Jahre alt, als sie ihren ersten Roman veröffentlichte - hat die ehemalige Lateinlehrerin und Mutter zweier Kinder einen Erzählband und sechs seitenstarke Romane geschrieben. Seit einem Jahr lebte die Autorin bei ihrer Tochter und ihren Enkelkindern in Mexiko.

Werdegang

Inge Merkel, geborene Klauner, wurde am 1. Oktober 1922 als Beamtentochter in Wien geboren. Nach der Matura studierte sie an der Universität ihrer Heimatstadt Latein, Geschichte und Germanistik mit abschließender Lehramtsprüfung und Promotion zum Doktor der Philosophie. Anschließend arbeitete sie als Bibliothekarin am Wiener Universitätsinstitut für Klassische Philologie und von 1974 bis 1984 als Gymnasiallehrerin für Latein.

1982 veröffentlichte Merkel 60-jährig ihr erstes Buch, den Briefroman "Das andere Gesicht", der auf Anhieb gute Kritiken bekam. 1983 folgte der Prosaband "Zypressen". Starke Beachtung fand ihr großer Roman um eine Daseinskrise "Die letzte Posaune" (1985), den Kritiker mit Werken von Heimito von Doderer und Jean Paul verglichen. Unter dem Titel "Eine ganz gewöhnliche Ehe" wagte sie sich mit ihrem folgenden Roman (erschienen 1987) an eine Neuerzählung der mythischen Geschichte von Odysseus und Penelope. 1990 folgte das Buch "Das große Spektakel", das ein halbes Jahrtausend abendländischer Geschichte zum Inhalt hat. 1996 erschien der Roman "Aus den Geleisen", in dem die Teilnehmer einer Studienreise in Mexiko mit einer fremden Kultur konfrontiert werden. Zuletzt kam 2001 "Sie kam zu König Salomo", heraus, in dem Merkel detailreich die Liebe zwischen König Salomo und der Königin von Saba schildert.

Zahlreiche Auszeichnungen

Merkels häufig aus verschiedenen Textsorten, mit Überblendungen von Epochen, Kulturen und Religionen gearbeitete Bücher haben kein geringeres Panorama als die abendländische Geschichte. Hilde Spiel beschrieb das Werk ihrer Schriftstellerkollegin in einer hymnischen Kritik als ein Werk der Passion für letzte Dinge und große Menschheitsfragen: Glaube, Tod, menschliche Triebhaftigkeit, Schöpfungsideen und Apokalypsedrohungen.

Merkel ist Trägerin zahlreicher Auszeichnungen. So wurde sie etwa mit dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Debüt (1982), dem Preis des ZDF (1983), dem Preis der Stadt Wien (1986), dem Anton Wildgans-Preis (1987) und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln (1992) geehrt. 2002 erhielt sie das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und den Würdigungspreis der Republik Österreich. (APA)