Innsbruck - "Das Verhalten des Direktors ist eine absolute Rufschädigung für die Kammer", begründet Tirols Arbeiterkammer-Präsident Fritz Dinkhauser die Beurlaubung von AK-Direktor Martin Hirner durch den Vorstand. Pikant daran ist: Beide gehören dem AAB an, wobei Dinkhauser seit 1991 Präsident und Hirner seit 1984 Direktor ist. Bis auf Weiteres geht Hirner nun mit rund 5000 Euro netto im Monat spazieren.

Sonderverträge

Hirner hatte die AK beim Arbeitsgericht verklagt, weil ihm seit 1998 monatlich 300 Euro vorenthalten würden. Hintergrund ist die mehrfach geänderte Gehaltspyramide bei den Spitzenfunktionären der Arbeiterkammer im Zuge der legendären Affären um Alois Rechberger und Kurt Zacharias. Präsidenten müssen sich demnach mit 120 Prozent der Bezüge eines Nationalratsabgeordneten zufrieden geben. Bei Dinkhauser sind das 9272 Euro brutto, macht 4946 Euro netto. Komplizierter war es die hoch dotierten Sonderverträge der Direktoren einzudämmen, die zumindest nicht mehr als ihre Präsidenten verdienen sollten. Zuletzt hatte die Bundes-AK 1998 eine Regelung getroffen. Ungereimtheiten bei deren Umsetzung sind der juristische Kern der jetzigen Auseinandersetzung.

Dinkhauser sagt, dass Hirner sieben Jahre lang im AK-Vorstand sein Begehren nicht vorgebracht habe, ehe er auf einmal eine Nachzahlung von 30.000 Euro verlangt hätte. Hirners Rechtsanwalt Georg Santer bestreitet dies. Sein Mandant hätte sich "freundlich und höflich" um eine einvernehmliche Klärung bemüht, die ihm Dinkhauser aber verweigert hätte. "Bei den Leuten entsteht der Eindruck, dass manche nie genug haben", lautet Dinkhausers Resümee der Affäre.

Gleicher Lohn

Santer meint, sein Mandant hätte nie mehr gewollt, als eine Gleichstellung mit den AK-Direktoren anderer Länder. Dessen Suspendierung hält er aus mehreren Gründen für rechtswidrig.

Unterstützung erhält Hirner von den Sozialistischen Gewerkschaftern (FSG). Als Minderheitsfraktion hätte man gegen die Suspendierung gestimmt, erklärt deren Fraktionsvorsitzender AK-Vizepräsident Otto Leist. Betriebsräte müssen darauf schauen, dass Arbeitsverträge eingehalten werden, betont Leist - egal wie hoch sie dotiert sind. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 25.01.2006)