Tel Aviv (APA) - Der israelische Premier Ehud Barak hat die Geduld mit seinen meuternden Koalitionspartnern verloren und will noch am Montag im Parlament die Vertrauensfrage stellen. Der Beschluss, Abu Dis und zwei weitere Jerusalemer Vororte an die Palästinenser zu übergeben, wurde im Ministerrat mit den Stimmen von 15 Ministern gegen sechs angenommen. Er stellt für die Regierung Barak vor eine Zerreißprobe. Barak hatte Palästinenser-Präsident Yasser Arafat und US-Präsident Bill Clinton die Übergabe dieser drei arabischen Ortschaften als Vorleistung für die im Juni fällige dritte Abzugsphase aus dem Westjordanland versprochen. Er will sich in den nächsten Tagen zu Gesprächen über den Nahost-Friedensprozess nach Washington begeben und hätte sich kaum ohne einen solchen Kabinettsbeschluss nach Washington trauen können. Ausscheiden der Nationalreligiösen Der Vertreter der Partei in der Regierung, Wohnungsbauminister Yitzhak Levy, gab nach dem Beschluss das Ausscheiden seiner Partei aus der Koalition bekannt. Bei dieser Entscheidung handle es sich um den Beginn der Räumung von Teilen Jerusalems, dem seine Partei unter keinen Umständen zustimmen könne. Gegen den Beschluss stimmten mit Levy auch die vier Minister der religiösen Shas-Partei und Innenminister Nathan Sharansky von der russischen Einwandererpartei "Israel Be'Alya". Sie erklärten, dass die Übergabe der drei Dörfer an die Palästinenser den Status von Jerusalem gefährde. Schwierig für Barak Mit dem Ausscheiden der Nationalreligiösen verfügt Barak nach einer anfänglichen parlamentarischen Mehrheit von 75 Abgeordneten (von insgesamt 120) nur mehr über 63. Die Shas-Partei stellt 17 und die Partei "Israel Be'Alya" vier Abgeordnete. Diese Parteien sind ebenfalls strikt gegen eine Räumung der besetzten syrischen Golan-Höhen und gegen weitere territoriale Zugeständnisse im Westjordanland. Sie stimmten bereits mehrere Male im Parlament zusammen mit der Opposition und in manchen Fällen sogar für ein Mißtrauensvotum der Opposition gegen die Regierung. Die beiden Parteien halten ständige Beratungen mit der rechten Likud-Opposition ab. Die geschrumpfte Koalition Baraks befindet sich derzeit in Gefahr, bei jeder innenpolitischen gestürzt zu werden, was die Fortsetzung des Friedensprozesses mit den Palästinensern gänzlich in Frage stellen würde. (APA)