Wien – "Sehr, sehr schlecht gesichert" war die Saliera im Kunsthistorischen Museum (KHM). So lautet die Einschätzung des mutmaßlichen Diebes Robert M., die er im Juli 2004, ein Jahr nach dem Coup, in einem Radiogespräch abgab. KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel wehrt sich dagegen weiter gegen die Vorwürfe von Sicherheitsmängel, auch wenn es Expertenratschläge gab.

"Der wirkliche Schutz von Fenstern ... wird auf sekundären Schutzmaßnahmen beruhen, wie Stahljalousien, Eisen- oder Stahlgittern, Faltgitter oder einer zweiten Scheibe aus Sicherheitsglas." Zu diesem Schluss kommt Peter Osborne, britischer Fachmann für Museumssicherheit, in einer Publikation des Internationalen Museumsrates (ICOM) – veröffentlicht im Jahr 1997.

Empfehlungen, auf die man im KHM offensichtlich keinen Wert legte, nachdem man im Jahr 1995 eine neue Alarmanlage montiert hatte. Generaldirektor Wilfried Seipel sieht sich schuldlos: "In einem historischen Gebäude ist es aus Denkmalschutzgründen fast unmöglich, Gitter anzubringen." Die gibt es nur im Erdgeschoß, im ersten und zweiten Stock aber nicht. Stattdessen habe man auf die Alarmanlage mit Bewegungsmeldern gesetzt, betont Seipel.

Auch für die Vitrinen, in denen die Kunstschätze ausgestellt werden, fanden sich in dem ICOM-Papier wertvolle Tipps: Unter anderem sollte das Sicherheitsglas umso widerstandsfähiger sein, je weiter der Weg der Wachleute zum Ausstellungsraum ist – Cellinis Meisterwerk war mit sechs Millimeter dickem Sicherheitsglas geschützt.

"Das stabilere Achtmillimeterglas ist nicht nur eine Kostenfrage, man hätte ja alle Vitrinen im Haus umrüsten müssen. Für die Neugestaltung der Kunstkammer war das dickere Glas ohnehin eingeplant, künftig wird die Saliera auch unter diesem stehen", betont Seipel.

Wie auch die Tatsache, dass es "keinerlei Streit mit der Polizei" gibt. Obwohl Seipel Dienstagabend in der ZiB 2 die Exekutive noch kritisiert hatte, diese habe in der ersten Pressekonferenz nach der Verhaftung von Robert Mang nur dessen Schilderung des Tatablaufs wiedergegeben. "Das widerspricht dem tatsächlichen Vorgang, das war keine ,b'soffene Geschichte', der Mann war ein Fachmann." Für Seipel steht auch die Möglichkeit im Raum, es habe eine Vereinbarung zwischen Polizei und Verdächtigem gegeben.

Eine Theorie, der Ernst Geiger, Leiter der Kriminaldirektion 1, heftig widerspricht. "Was für eine Vereinbarung sollte ich denn mit dem Verdächtigen treffen? Ich habe ihn nur eindringlich auf die gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich der Milderungsgründe hingewiesen, eben Unbescholtenheit, Geständnis und vor allem Schadenswiedergutmachung." Überhaupt will Geiger jetzt "den Rollladen herunterlassen", der Verdächtige sei in der Verantwortung der Justiz, "ich habe meinen Job getan." (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2006)