Oh, das ist zu wahr, um schön zu sein: Man schaltet den Fernseher ein und findet sich mitten in einer Seifenoper wieder, die aus dem Informationskanal des ORF quillt und nicht aus einem dieser Formate, die das ganze Weh und Ach der Unnötigkeit in nachgestellten Gerichtsverhandlungen oder trashigen Beichtstuhlsimulationen ausschütten. Da sitzt endlich einer, der nicht sein larmoyantes "Ich habe gesündigt, verzeiht mir" hinausplärrt, sondern trotzig "Haltet den Dieb" skandiert - unbeeindruckt davon, dass der längst gefasst ist.

Wie Wilfried Seipel in der ZiB 2 am Dienstag den von den Ermittlungsereignissen überwältigten Direktor des bedeutendsten Museums der Republik gab, sieht man auf keiner Schmiere der Welt mehr: Als er seine aufgeplusterte Empörung über die Mutmaßung, den Raub des schönen Salzfasses könnten unerhebliche Sicherheitsmängel begünstigt haben, in den Verdacht überleitete, die Polizei habe die diebische Elster mit einem "Deal" aus dem Nest gelockt, hat er das Herz des Komödianten erobert, das versteckt in uns allen schlägt.

Man kann nicht anders, als den Namen Seipel künftig in einem Atemzug mit dem zu nennen, der ihn bestohlen hat - und zugleich bedauern, dass der Eifer professioneller Ermittler allzu rasch zu Ende führte, was er so glorreich begonnen hatte: Leicht wird in der aktuellen Aufregung vergessen, wie Seipel selbst auf der Fährte der Saliera bis ins ferne Triest vorstieß. Mit Fug darf behauptet werden: Diese Entschlossenheit hat dem frechen Dieb klar gemacht, mit welchem Gegner er es aufgenommen hatte. Seipel hat ihn mürbe gemacht, der Rest war Lakaienarbeit. Oder, um es mit einem anderen großen Volksschauspieler, dem unvergessenen Edi Finger senior, auszudrücken: "Obusseln könnt i eahm!" Den Seipel, nicht den Dieb. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2006)