Hamburg/Wien - In der südserbischen Unruheprovinz Kosovo versuchen albanische Gruppen, die in Pristina stationierten Polizisten der UNO-Mission (UNMIK) an ihrer Arbeit zu hindern. Aufständische hätten zahlreiche Polizeifahrzeuge der UNO-Schutztruppen lahm gelegt, berichtete "Spiegel Online" am Donnerstag.

Den Angaben zufolge schraubten Angehörige des "Kosovo Activation Network"/"Movement for Selfdetermination" (Kan/MSD) die Radventile von ungefähr zehn UNO-Polizeiwagen auf. Man habe damit die UNMIK lähmen wollen, ließen die Anhänger der Gruppe wissen. Die UNMIK würde, so die Äußerungen der Aktivisten, die Demokratie im Kosovo hemmen.

Die Gruppierung Kan/MSD wird von dem ehemaligen Studentenführer Albin Kurti angeführt, der jahrelang in serbischen Gefängnissen gesessen hatte und nun versucht, eine breite außerparlamentarische Opposition im Kosovo aufzubauen. Wie fast alle Kosovaren fordert die Gruppe die Unabhängigkeit des Kosovo. Kurtis Aktionen fänden unter Jugendlichen im Kosovo breite Unterstützung, schrieb "Spiegel Online".

Gegenüber dem Internet-Magazin bestätigte die UNMIK die Sabotageaktion. Es sei das erste Mal, "dass die Bewegung unsere Fahrzeuge lahm gelegt hat. Bislang hat die Gruppe um Albin Kurti immer nur Flugblätter verteilt und Parolen an Wände gesprüht", sagte ein Sprecher der UNMIK in Pristina. Dass die Aktivisten keinen größeren Schaden angerichtet hätten, sei allein der Tatsache zu danken, dass sie entdeckt worden seien und keine Zeit mehr gehabt hätten, so der Sprecher.

Mit weiteren Störmanövern rechnet die UNMIK zur Zeit nicht. Es herrsche wegen des Todes des Kosovo-Präsidenten Ibrahim Rugova noch immer Trauer.

Die UNMIK, die seit Sommer 1999 im Kosovo stationiert ist und dort übergangsweise die zivile Verwaltung in der Provinz leitet, ist bei den albanischen Bewohnern des Kosovo inzwischen unbeliebt. Immer wieder wird Kritik an der Arbeit der UNMIK laut, weil es der Mission nicht gelinge, die Region dauerhaft zu befrieden.

Nach einem Abzug der UNMIK, befürchten Beobachter allerdings, würde die Auseinandersetzung zwischen Serben und Albanern wieder eskalieren. Bis heute kann sich die serbische Minderheit im Kosovo nur unter Polizeischutz im Kosovo bewegen. In manchen Städten wie dem ethnisch geteilten Mitrovica, sind Gewalttaten noch immer alltäglich. (APA)