Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hat am Montag vor dem Parlament in Jerusalem die von seiner Regierung gegen die Stimmen von sechs Ministern beschlossene Übergabe von Abu Dis und zwei weiteren Jerusalemer Vororte an die Palästinenser gerechtfertigt und zugleich die Vertrauensfrage gestellt. Barak betonte, dass die Maßnahme nur 0,25 Prozent der Fläche des Westjordanlades betreffe und für den Friedensprozess von größter Wichtigkeit sei. Jerusalems konservativer Bürgermeister Ehud Olmert vom Likud-Block hatte gewarnt, die Übergabe von Abu Dis sei eine "Einladung an die Araber, Ostjerusalem zu übernehmen". Die Likud-Opposition hat Barak für den Gewaltausbruch in den Palästinenser-Gebieten verantwortlich gemacht. Im Parlament kann sich Barak theoretisch noch auf 63 der 120 Abgeordneten stützen. Die Nationalreligiöse Partei hat beschlossen, die Koalition zu verlassen; auch die religiöse Shas-Partei und die russische Einwandererpartei "Israel Be'Alya" von Innenminister Nathan Sharansky widersetzen sich den Gebietskonzessionen. Sie haben schon Gespräche mit der Likud-Opposition aufgenommen. Bereits 1996 waren Verhandlungen über die Möglichkeit bekannt geworden, eine palästinensische "Quasi-Haupstadt" in Abu Dis einzurichten, das auf palästinensischen Landkarten als Teil Jerusalems eingezeichnet ist. Das Konzept sollte es beiden Seiten ermöglichen, das Gesicht zu wahren. (APA)