New York - Der weltgrößte Medikamentenhersteller Pfizer hat eigenen Angaben zufolge von den Europäischen Regulierungsbehörden grünes Licht für sein Inhalations-Insulin Exubera erhalten. Damit werde Insulin zum ersten Mal seit seiner Entdeckung in den 1920er Jahren in inhalierbarer Form zugelassen, teilte der US-Konzern am Donnerstag mit. Experten zufolge könnte Exubera die Diabetes-Behandlung für viele Patienten revolutionieren und mehr als eine Milliarde Dollar (816 Mio. Euro) Umsatz pro Jahr erwirtschaften.

Von der US-Gesundheitsbehörde FDA erhielt Pfizer am gleichen Tag zwei Zulassungen für das Krebsmedikament Sutent. Der Kurs der Pfizer-Aktien legte um zeitweise rund zwei Prozent zu. Die Europäische Kommission habe Exubera zur Behandlung von erwachsenen Patienten zugelassen, die an Diabetes-Typ 2 erkrankt sind und nicht länger aus oral verabreichte Medikamente ansprechen.

Entscheidung

Zusätzlich sollen an Typ 1 der Krankheit leidende Patienten behandelt werden, die gleichzeitig mit einem zuspritzenden Insulinpräparat mit langer Wirkzeit behandelt werden. Bis Freitag soll auch die FDA über die Exubera-Zulassung entscheiden. Ein Beraterausschuss der Behörde hatte sich bereits vor Monaten dafür ausgesprochen. Die Zulassung der EU-Kommission sei diesbezüglich ein gutes Zeichen, urteilte Analyst Andrew Forman von WR Hambrecht & Co in einem Bericht.

Anwendung

Exubera ist ein pulverförmiges Insulin, das schnell wirken soll. Es wird mit Hilfe eines Inhalationsgerätes eingeatmet und könnte damit nach Einschätzung von Experten die Behandlung der Zuckerkrankheit für viele Patienten revolutionieren, die bisher auf mehrere Insulin-Spritzen täglich angewiesen sind. Mit den Insulin-Injektionen wird der Blutzuckerspiegel unter Kontrolle gehalten und Folgeerscheinungen der Krankheit wie Herzleiden, Blindheit und Amputationen vorgebeugt.

Der US-Pharmariese hatte Exubera gemeinsam mit Sanofi-Aventis entwickelt und hergestellt, dem französischen Konkurrenten in diesem Monat jedoch die Rechte abgekauft. Erfunden wurde die in Exubera verarbeitete Insulin-Rezeptur von dem Unternehmen Nektar Therapeutics. Die Aussicht auf vom Umsatz abhängige Zahlungen von Pfizer animierte viele Anleger am Donnerstag zu Käufen der Nektar-Titel. Die Aktie legte mehr als sechs Prozent zu. Auch andere Pharmakonzerne arbeiten an der Entwicklung von inhalierbarem Insulin, darunter Eli Lilly & Co, Alkermes, Mannkind, Kos Pharmaceuticals und Novo Nordisk.

Krebsmedikament Sutent

Mit der Zulassung von Pfizers Krebsmedikament Sutent wurde einem FDA-Vertreter zufolge ein Durchbruch zur Behandlung zweier schwer zu bekämpfender Krebsarten erzielt. Mit dem Medikament sollen Patienten behandelt werden, die an fortgeschrittenem Nierenkrebs und einer seltenen Form von Magenkrebs leiden. Das Medikament wird einmal täglich verabreicht und blockiert einige Enzyme, die die Vermehrung von Krebszellen erlauben. Wissenschaftler hatten zuvor berichtet, das Medikament verlängere das Leben von Patienten, die auf das Novartis-Medikament Gleevec nicht mehr ansprächen.

Deutschland-Chef Walter Köbele hatte in einem Interview vor einigen Monaten erklärt, der Konzern hoffe unter anderem durch Exubera und Sutent auf Wachstum. (APA/Reuters)