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Der Archäologe Gerald Grabherr mit dem Römerhelm (undatierte Archivaufnahme)

Foto: APA/DR. STEFAN DIETRICH
Innsbruck - An der Fernpassroute im Tiroler Bezirk Reutte, unmittelbar neben der einstigen römischen Staatsstraße Via Claudia Augusta, haben Archäologen einen fast vollständig erhaltenen Helm aus der Spätantike geborgen. Nun wurde der mehr als 1.600 Jahre alte Fund, der schon vor zwei Jahren ans Licht kam, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Laut Gerald Grabherr vom Institut für Archäologie der Universität Innsbruck ist der römische Kammhelm ein einzigartiges Fundstück: "In ganz Österreich haben wir kein auch nur annähernd so gut erhaltenes Exemplar."

Aber auch verglichen mit Römerhelmen aus anderen Ländern sei das im Gemeindegebiet Biberwier gefundene Tiroler Exemplar "etwas Besonderes". Vor allem, was seine technische Ausführung betreffe. "Damals, im 4. Jahrhundert nach Christus, wurden die römischen Militärhelme in staatlichen Werkstätten als Massenware erzeugt. Dieser dürfte aber ein sonderangefertigtes Einzelstück sein, das zwar den bekannten Typus nachahmt, aber einige technisch anspruchsvolle Besonderheiten hat. Vielleicht hat ihn ein germanischer Söldner im römischen Dienst machen lassen, um ganz wie ein Römer auszuschauen," sagte Grabherr.

Besonderheiten

Zu den Besonderheiten gehört etwa, dass die Kalotte - der halbkugelförmige Hauptbestandteil des Helms - aus einem Stück getrieben und nicht aus zwei oder mehr Teilen zusammengesetzt ist. Auch seien die Wangenklappen in unüblicher Weise mit Scharnieren befestigt. Ein "Glücksfall" ist laut Grabherr, dass nicht nur der Nasenschutz und die Wangenklappen, sondern auch der Nackenschutz vollständig erhalten seien. Er bestehe aus kleinen Eisenringen, die wie bei einem Kettenhemd zusammen geschmiedet sind. Dieses Helmelement sei bisher archäologisch nur durch wenige fragmentarische Funde bekannt gewesen, erläuterte Grabherr. Alle Bestandteile des Helms bestünden aus Eisen - mit Ausnahme der bronzenen Nieten, die den Kamm halten.

Entdecker des antiken Kopfschutzes ist der Hobbyarchäologe Franz Neururer, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter am Via-Claudia-Projekt der Vorständin des Innsbrucker Instituts für Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Univ. Prof. Elisabeth Walde. Er hatte als ehrenamtlicher Mitarbeiter entlang der Römerstraße, die einst Oberitalien mit den Donauprovinzen verband, Prospektionen vorgenommen.

Fundstelle

Die Fundstelle liegt etwas unterhalb der alten Straßentrasse im Gemeindegebiet von Biberwier. Darüber, wie der Helm an diese Stelle gelangte, hat Grabherr eine Hypothese: "Wir haben am Metall Spuren eines textilen Materials gefunden. Wahrscheinlich steckte er in einem Sack und ging unterwegs verloren. Vielleicht hatte ein Reiter den Sack hinter sich an den Sattel gebunden und merkte nicht, dass er sich löste und den Abhang hinunterkollerte."

Der Römerhelm vom Fernpass wird gegenwärtig in der Werkstätte des Instituts für Archäologie in Innsbruck restauriert. Auch die wissenschaftliche Auswertung sei noch im Gang. (APA)