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Was vom Brand noch übrig blieb von den Sofiensälen

Foto: APA/ PFARRHOFER Herbert

Die Sofiensäle bekommen einen neuen Besitzer – auch die Stadt ist mitbeteiligt. Über den Kaufpreis herrscht Stillschweigen, die Verwertung des Geländes ist noch offen. Erste Pläne sollen in paar Monaten vorliegen.

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Wien – Die Sofiensäle haben einen neuen Eigentümer: Die Wiener ARWAG Holding-AG, an der die Stadt Wien und die Bank Austria Creditanstalt beteiligt sind, kauft die Ruine der Sofiensäle in Wien-Landstraße – der bisherige Besitzer, die Sofiensäle AG, wird kurzerhand eingegliedert. "Wir wollten das Objekt immer verwerten. Da ist der Verkauf der logische Schritt", erklärte dazu knapp der nun ehemalige Eigentümer-Sprecher der Sofiensäle AG, Karl Pistotnik.

Viele Konzepte

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, offen ist auch, was auf dem Gelände in der Marxergasse entstehen soll. Am 16. August 2001 wurden die Sofiensäle durch einen Großbrand, ausgelöst durch Flämmarbeiten am Dach, zerstört. Von dem prunkvollen Ball- und Partyort blieben praktisch nur die Grundmauern stehen.

Seither wogte der Streit um einen Wiederaufbau, Abriss oder Verkauf sowie den Schutz der Ruine hin und her. Ideen hat es genug gegeben: Es gab Pläne ein Hotel zu bauen, genauso wie für ein Seniorenheim. Das kürzest lebende (falsche) Gerücht: die Sängerknaben kriegen einen Konzertsaal.

In zwei bis drei Monaten soll eine Entscheidung über die Pläne fallen, hieß es nun am Freitag. Vorstellbar sind laut ARWAG sowohl Wohnungen als auch eine Geschäftsnutzung. Auch die Errichtung von Veranstaltungsmöglichkeiten ist nicht ausgeschlossen. Und es wird versichert: Der Denkmalschutz werde "selbstverständlich nicht in Frage gestellt".

Genau an diesem Punkt war der bisherige Eigentümer, die Sofiensäle AG, gescheitert. Man hatte vergeblich für eine Aufhebung des Denkmalschutzes gekämpft.

"Das ist der schönste Tag in meinem dreijährigen Berufsleben," freute sich Barbara Neubauer, Landeskonservatorin am Denkmalamt, am Freitag. Mit den neuen Eigentümer sei man "relativ schnell zu einem grundsätzlichen Einverständnis" gekommen. Fest steht, dass die unter Denkmalschutz gestellten Wände des großen Saales sowie der Vorbaus erhalten werden müssen.

Neubauer hofft, dass auch für die Bühnenwand und das Daches eine Lösung gefunden werde. Ob es zu einer Sanierung kommt, hänge von der jeweiligen Nutzung ab. "Es wäre jedenfalls sinnvoll, wenn der große Saal einbezogen wird", so die Denkmalschützerin. Vorerst müsse so schnell wie möglich mit der Sicherung der Ruine, die jahrelang der Witterung ausgesetzt war, begonnen werden.

Historisches Bad

Unwahrscheinlich scheint, dass die "Sofie" das wird, was sie anfangs war: Am 14. Jänner 1838 hatte der Tuchscherer Franz Morawetz sie als Badeanstalt eröffnet. Zehn Jahre später folgte die Umwandlung in eine Schwimm- und Veranstaltungshalle – entworfen von den späteren Erbauern der Staatsoper, Eduard von der Nüll und August Siccard von Siccardsburg und damals das größte öffentliche Lokal Wiens. Zur Jahrhundertwende wurde eine sezessionistisch gestaltete Schaufront zur Marxergasse errichtet.

Der Kernbau wurde 1986 unter Denkmalschutz gestellt – schließlich waren die Sofiensäle Schauplatz von Konzerten der Familie Strauß oder Uraufführungen von Werken Arthur Schnitzlers.

"Es ist noch immer so viel Substanz vorhanden, dass man über eine Wiederherstellung sprechen kann," meint Neubauer. "Schließlich wurden die Redoutensäle in der Hofburg auch wieder rekonstruiert." (kri, pm, DER STANDARD Printausgabe 28.1.2006)