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Mozart mochte es selbst ganz gerne deftig, also warum nicht

Foto: APA/Graf
Manchmal mit gutem Grund: Schließlich hat Mozart, der sehr viel gereist ist, an vielen Orten Spuren hinterlassen.


Wien - Dass Mozart viel herumkam, als Wunderkind ausgiebig Tourneen absolvierte, war bekannt. Im Mozartjahr wird dies quantifiziert: Man hat ausgerechnet, dass der Umtriebige, der 13.097 Tage gelebt hat, davon 3720 Tage auf Reisen war, über zehn Lebensjahre verbrachte der Kompositeur anderswo als in Salzburg und Wien. Über 200 Orte hat Mozart besucht, es wundert, dass die EU nur 500.000 Euro für das Jahr spendiert hat, sie hätte ihn locker zu dem Europäer schlechthin hochstilisieren können. Jene Städte, die er besucht oder nur gestreift hat, lassen die Gelegenheit allerdings nicht verstreichen - Mozart wird nicht Wien und Salzburg überlassen. An die 75 Partnerstädte haben sich zu den "Europäischen Mozart-Wegen" zusammengeschlossen. Auf einer Website lassen auch sich die Reisewege des Jubilars studieren.

Prag ist dabei und hat auch allen Grund, sich als Mozartstadt zu fühlen. Don Giovanni und La Clemenza di Tito wurden hier uraufgeführt, in schwieriger Zeit bot die dortige Popularität Trost, Mozart selbst schwärmt euphorisch von der Begeisterung, die sein Figaro auslöste: "Hier wird nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als - figaro." Das Festival Mozart Prag 2006 bietet mehr als 150 Konzerte, Opernvorstellungen, Ausstellungen.

Auch München ist dabei. Mozart war hier häufig zugegen, hier wurden Idomeneo und La finta giardiniera uraufgeführt, folglich bietet die Bayerische Staatsoper Mozart-Festwochen (bis 14. 2.) an - Dirigent Zubin Mehta wirft sich in die Schlacht.

Mannheim kann für sich in Anspruch nehmen, dass Mozart hier nicht nur viermal zugegen war, vielmehr in dieser Stadt auch seine spätere Frau Constanze kennen gelernt hat. Daran erinnert man seit 2001 mit den Mannheimer Mozartwoche - neu ist die Kreation einer Mannheimer Mozarttorte.

Auch Augsburg muss nicht schummeln. Die Heimatstadt von Mozarts Vater Leopold feiert den Komponisten konzentriert (vom 12. bis 28. 5.) - Pianist Alfred Brendel hält eine Festrede. Und: Das renovierte Geburtshaus von Vater Leopold präsentiert vom 16. Mai bis 30. Oktober eine Sonderausstellung.

In Berlin war Mozart nur kurz, aber die drei Opernhäuser lassen die Gelegenheit nicht ungenützt verstreichen - die Komische Oper richtet gar (14. bis 16. 7.) Mozart-Festtage aus. Berlin hätte eine Besonderheit: Die Staatsbibliothek besitzt die größte Sammlung seiner Originalnoten - rund 300 der geschätzten 550 Mozart-Autografen. Doch leider: Nur Fachleute dürfen sie besichtigen. Immerhin: Der Mozart-Ausstellung in der Albertina (17. 3. bis 20. 9.) wird manches geliehen.

Audienz beim Papst

Auch Rom feiert. Hier wurde Mozart 1770 von Papst Clemens XIV. empfangen, hier gibt es sommerliche Aufführung dreier Mozart-Opern (Lucio Silla, Titus und Ascanio in Alba) an archäologischen Stätten. Mailand braucht keine Freiluftaufführungen; es hat die Scala, die sich auch Mozart widmet. Außerdem hat sie eine Orgel in der Kirche des heiligen Anton. An ihr hat der siebzehnjährige Mozart 1773 erstmals das Alleluja gespielt und einen Sänger persönlich begleitet. Die Orgel wurde restauriert.

London und Paris waren Tourneestationen des Wunderkindes. In London konnte man traurigerweise Mozart und Nannerl auch gegen Eintritt in einem Gasthaus spielen hören. Das Gasthaus gibt es nicht mehr, dafür existiert das Mozart-aktive Royal Opera House. Die London Mozart Players haben wegen ihres Namens auch keine Programmwahl.

In Paris, wo Mozart 1764 vor Frankreichs König Ludwig XV. spielte und der Vater notierte, "die Kinder machen hier fast alles zum Narren", feiert man aber mit österreichischer Beteiligung: Filmregisseur Michael Haneke lässt sich auf Don Giovanni ein, und so konnte er wegen der gestrigen Premiere logischerweise in Salzburg nicht dabei sein, wo das Mozartjahr mit einer Rede von Nikolaus Harnoncourt offiziell eröffnet wurde. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.1.2006)