Hartberg/Wien - Für Nachwehen sorgt im steirischen Hartberg der Verkauf der gemeindeeigenen Sparkasse. Sie wurde im September von der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG gekauft - die für das profitable Institut 64 Mio. Euro gezahlt und alle 120 Mitarbeiter pragmatisiert hat.

Nun wird dieser sektorinterne Deal - ein Konsortium rund um den Tiroler Gaudenz Trapp hatte sein Angebot wieder zurückgezogen - noch einmal überprüft. Die Behauptung der Opposition im Hartberger Gemeinderat (die ÖVP hat die Absolute): Die Sparkasse sei verschleudert worden. Konkret wirft der Chef der steirischen Grünen, Nationalratsabgeordneter Werner Kogler, Bürgermeister Karl Pack (ÖVP) vor, sich auf ein Gutachten verlassen zu haben, in dem die Bank massiv unterbewertet wurde. Deloitte-Partner und Wirtschaftstreuhänder Erich Kandler kam darin zu einem Wert von 56 bis 68 Mio. Euro. Kandler ist inzwischen Chef des Sparkassen-Prüfungsverbandes.

Zweites Gutachten

Die Grünen berufen sich nun auf ein zweites Gutachten von Wirtschaftsprüfer Thomas Keppert, gemäß dem die Sparkasse um 40 bis 100 Mio. Euro unterbewertet worden sei. Kogler: "Die Herren müssen sich warm anziehen."

Das lässt den Chef der Steiermärkischen, Gerhard Fabisch, kalt: "Wir haben einen sehr fairen Preis gezahlt. Der Gutachter wurde uns auf unsere Bitte hin vom Sparkassenverband empfohlen."

Hartbergs Bürgermeister Pack rollt die Causa trotzdem noch einmal auf. Er hat die KPMG mit einem "Optimierungsgutachten beauftragt. Die Prüfer sollen sagen, ob der Preis in der richtigen Bandbreite lag. Wenn das nicht so ist, wollen wir an eine Nachbesserung kommen." Die Chancen dafür stehen aber schlecht. Bankchef Fabisch: "Der Kauf ist für beide Seiten definitiv abgeschlossen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.1.2006)