Beweisen muss sich Lakshmi Mittal nichts mehr. Lange Zeit belächelt, hat sich der gebürtige Inder mit der Übernahme des US-Stahlkochers International Steel im vorvergangenen Herbst endgültig an die Spitze der Stahlbranche gesetzt. Vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes wird der 55-Jährige als drittreichster Mann der Welt geführt - hinter Microsoft-Gründer Bill Gates und dem Investor Warren Buffett.

Mittal, dessen Vorname auf die indische Göttin des Wohlstands, Lakshmi, zurückgeht, hat offenbar Hunger nach noch mehr. Mit der geplanten feindlichen Übernahme von Arcelor, der weltweiten Nummer zwei bei Stahl, will er sich jetzt unantastbar machen.

Dabei scheint schon sein bisheriges Leben einem Filmplot der indischen Traumfabrik Bollywood entsprungen. Am 15. Juni 1950 im nordwestindischen Bundesstaat Rajastan geboren, wächst Mittal in relativ bescheidenen Verhältnissen auf. Erst als die Familie nach Kalkutta umzieht, wo sein Vater die Leitung eines kleinen Stahlwerks übernimmt, bessert sich die Lage. Nach dem College, wo er einen Wirtschaftsabschluss macht, zieht Mittal 1976 nach Indonesien. Dort gründet er mit Geld vom Vater eine Investmentgesellschaft und beginnt, marode Staatsunternehmen billig aufzukaufen und zu sanieren - stahlhart.

In der Stahlbranche wird Mittal Ende der Achtzigerjahre bekannt, als er ein staatliches Werk im Karibikstaat Trinidad und Tobago kauft. Dieses machte eine Million Dollar Verlust pro Tag. Mittal gelang es, die Produktion binnen dreier Monate zu verdoppeln und nach einem Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Inzwischen sind Mittals Werke über fünf Kontinente verteilt. Für den Weltbürger, der seinen Lebensmittelpunkt jetzt in London hat, verschmelzen die Entfernungen: Jährlich legt er mehr als eine halbe Million Kilometer in seinem Privatjet zurück. "Ich arbeite immer gleichzeitig an zwei oder drei Übernahmen", lässt er sich zitieren.

Smalltalk über Kunst oder Sport sind seine Sache nicht. "Er redet nur über Stahl", spottete einmal ein Mitbewerber. Sich selbst inszeniert Mittal gern als Philanthrop, der sich in vielfältiger Weise für soziale Zwecke engagiert.

Kritik gibt es an seinem egozentrischen Führungsstil: Analysten warfen ihm des Öfteren vor, als CEO vor allem zum eigenen Nutzen zu agieren und die Rechte der anderen Aktionäre nicht zu beachten. Immerhin befinden sich zwölf Prozent von Mittal Steel nicht mehr in Familienbesitz.

Dafür arbeiten sowohl Sohn Asitya als auch Tochter Vanisha im Konzern mit. Für die Hochzeit seiner Tochter auf Schloss Versailles im Sommer 2004 ließ Mittal dem Vernehmen nach 45 Millionen Euro springen - inklusive eines Privatkonzertes von Popstar Kylie Minogue. Auch das ging manchen zu weit. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2006)