Wien/Marseille - Die Oscar-Nominierung für "Darwin's Nightmare" freut den Regisseur Hubert Sauper "in erster Linie für den Inhalt des Films", dass nun "das Wort von Leuten, die sonst keine Stimme haben", plötzlich im Mittelpunkt des Interesses steht. Dies sagte Sauper in einer ersten Reaktion gegenüber der APA, nachdem er Minuten vorher am Flughafen von Marseille angekommen war und dort von der Nominierung erfahren hat.

An eine Oscar-Nominierung hat Sauper "zuletzt gar nicht mehr gedacht". Gerechnet habe er nicht damit, aber "es wundert mich nicht". Der Streifen hat bisher in 50 Ländern eine Million Kinoeintritte erzielen können, die Hälfte davon in Frankreich, wo der Film kürzlich zum besten Kinofilm des Jahres gewählt wurde, war bei 25 Festivals im Wettbewerb und hat bei allen einen Preis gewonnen, schilderte Sauper, der betonte: "Der ORF hat sich nicht an der Finanzierung beteiligt" und habe den Film auch noch nicht für eine Ausstrahlung angekauft, im Gegensatz zu neun anderen TV-Stationen in Europa.

Ob er gegen die Konkurrenz in der Kategorie Dokumentarfilm bestehen können wird, weiß er nicht. Den hoch gelobten und auch umstrittenen Film "Die Reise der Pinguine" von Luc Jacquet hat Sauper noch nicht gesehen. Das Lob von christlichen Gruppen in den USA für das heile Familienbild, das die Pinguine zeigten, interessiert Sauper weniger - "weil ich selber nicht besonders monogam bin", so der Regisseur. Ob er Chancen auf den Oscar hat, "hängt vor allem davon ab, wer wählt. Wenn die christliche Ecke von Hollywood die Entscheidung bestimmt, werden sie sich eher nicht für meinen Film entscheiden". Bei der Wahl durch Fachleute "habe ich aber große Chancen", so Sauper.

Sauper: Filme machen, "um etwas zu vermitteln, das mir wichtig ist"

"Man macht nicht Filme, um Geld zu verdienen, sondern um etwas zu vermitteln, das mir wichtig ist", sagte Sauper. In diesem Sinne wird Sauper Anfang Februar nach Tansania fahren, um den Film den Menschen zu zeigen, die darin vorkommen. Treffen will er auch die dortigen Politiker, die den Film durch eine Raubkopie kennen - und ob des Inhalts "nicht erfreut" und "in höchster Alarmbereitschaft" sind. "Ich fahre hin, um mich denen zu stellen", so Sauper, der sich davon "viel Aufregung und viel Gaudi" erwartet. Bisher habe er von tansanischen Journalisten gehört, dass eine Reise dorthin für Sauper "physisch gefährlich" wäre. Durch die "irre Öffentlichkeit bin ich jetzt geschützt. Wenn ich jetzt plötzlich verschwinde, dann weiß das jeder", so Sauper mit einem Lachen.

Den weiteren Tag verbringt er mit Unterrichten an der Universität. Zeit zu feiern und vielleicht die eine oder andere Flasche zu öffnen, wird Sauper erst "spät, spät in der Nacht" finden. (Georg Leyrer/APA)