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Man wolle das Studium nicht verschärfen, sondern es so verbessern, dass es "gut auf die Bedürfnisse der Praxis vorbereitet", erklärt Studien­programm­leiter Peter Pieler.

APA-Photo: Robert Jaeger

An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien ist Hektik ausgebrochen, denn es bleibt nur noch wenig Zeit, um einen neuen Studienplan zu erarbeiten: Schon im kommenden Wintersemester soll dieser für alle NeuanfängerInnen gelten. Wie die neue Struktur des Studiums aussehen soll, darüber herrscht aber noch großes Rätselraten.

"Wir haben bislang noch überhaupt nichts Schriftliches", bemängelt Samir Al- Mobayyed von der Fakultätsvertretung Jus im Gespräch mit derStandard.at/Uni. Verfassungsjurist Heinz Mayer habe die Grundzüge des neuen Studienplans bei einer Fakultätskonferenz Mitte Januar mündlich vorgestellt, einen Text dazu gebe es bislang noch nicht.

Völlig umgekrempelt

Der neue Studienplan würde bedeuten, dass das Studium völlig umgekrempelt wird: Statt Einzelprüfungen sollen in Zukunft ähnliche Bereiche zusammengelegt werden. Im Gespräch mit derStandard.at/Uni erklärt Studienprogrammleiter Peter Pieler den Hintergrund für diese Änderung: "Es wäre zum Beispiel sinnvoll, die privatrechtlichen Bereiche zusammenzufassen. Dann ist vernetztes Lernen und Prüfen möglich", so der Studienprogrammleiter.

Wie dies allerdings in der Praxis aussehen soll, darüber rätselt Al-Mobayyed. Auch Pieler räumt ein, dass mehrere Fragen noch offen sind – zum Beispiel, ob es überhaupt genügend Räume gibt, die groß genug sind.

Stoffeinschränkungen

Die Studierendenvertretung warnt aber vor einem noch gravierenderes Problem: Nach Ansicht von Al-Mobayyed würde die Zusammenlegung mehrere Bereiche auch bedeuten, dass sich die ProfessorInnen deutlich stärker koordinieren als bisher – sowohl bei der Erarbeitung der Prüfungen als auch bei der Korrektur. Dabei müssten die einzelnen ProfessorInnen zurückstecken, fordert der Studierendenvertreter: "Klar ist, dass es dann Stoffeinschränkungen geben muss und nicht der volle Umfang abgeprüft werden kann."

Die Sorge, dass der Prüfungsstoff zu umfangreich werden könnte, kann auch Pieler verstehen und er verspricht: "Ich werde schon dafür sorgen, dass das nicht passiert" Ihm sei es nämlich ein Anliegen, von den Details wegzukommen, wichtiger sei es, dass die Studierenden die Zusammenhänge verstehen.

Alter und neuer Studienplan

Eine weitere Forderung der Fakultätsvertretung betrifft Studierende, die noch im alten Studienplan angefangen haben: "Wir wünschen uns großzügige Übergangsfristen, damit diese Studierenden ihr Studium auch fertig machen können, ohne auf einmal dazu gezwungen zu werden, in den neuen Studienplan zu wechseln", fordert Al-Mobayyed.

Skeptisch bewertete die ÖH auch die Ankündigung, dass die Studierenden künftig erst dann die anderen Prüfungen absolvieren können sollen, wenn sie die Einführungprüfung geschafft haben. Befürchtet wurde, dass hier eine versteckte Knock-Out-Prüfung geschaffen wird, da die Studierenden dann keine Möglichkeit mehr hätten, andere Prüfungen abzulegen und sie damit längere Leerläufe im Studium hätten.

Pervers?

"Halten sie es für so pervers, dass die Einführungsprüfung ganz am Anfang gemacht werden soll?", hält dem Studienprogrammleiter Pieler entgegen. Es sei ja gerade der Sinn dieser Lehrveranstaltung, den Studierenden gleich zu Beginn zu verdeutlichen, worum es im Studium geht. "Wir wollen keine Studienabbrecher produzieren und ich halte es für positiv, dass sie nicht jahrelang vergeblich Mühen und Ressourcen aufwenden, um dann zu erkennen, dass das Studium nicht das Richtige für sie ist", erklärt er. Ein Hinausprüfen aber, versucht er zu beruhigen, sei nicht das Ziel. Diese Sorge sei inzwischen ausgeräumt worden, erklärt Al-Mobayyed.

Ein weiterer Wunsch der ProfessorInnen ist es, dass die Studierenden künftig nur dann zu einer Prüfung antreten können, wenn sie auch die dazu gehörige Pflichtübung absolviert haben: "Es hat keinen Sinn, wenn die Leute antreten, aber keine Ahnung vom Stoff haben", so Pieler.

Treffen

Seitdem die Pläne im Januar das erste Mal präsentiert wurden, eilen die StudierendenvertreterInnen von einem Termin zum nächsten. Mit Mayer habe man inzwischen ein Gespräch geführt und dieser habe sich die Forderungen der Studierenden auch notiert, erzählt Al Mobayyed: "Ich bin gespannt, was da herauskommt." Im Moment seien die ProfessorInnen auf Urlaub, nächste Woche soll dann eine Kommission einberufen werden, die sich mit dem Studienplan beschäftigen soll und in der auch die Studierenden vertreten sind.