Wien - Ein europaweites Forschungsprojekt zu Magersucht, Bulimie und Adipositas untersucht nun erstmals die Interaktion von Umwelt- und Entwicklungsfaktoren mit den genetischen Ursachen dieser Essstörungen. "Dank der neuen Methoden der Molekulargenetik können wir bestimmte Gene, die für die Appetitregulation infrage kommen, einbeziehen", erklärt Österreich-Studienleiter Andreas Karwautz von der "Wiener Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters". Schon frühere Studien haben gezeigt, dass vor allem der Nerven-Botenstoff Serotonin eine entscheidende Rolle bei der Appetitregulation spielt. So haben etwa bestimmte Neuroleptika, die in den Serotonin-Haushalt eingreifen, die unangenehme Nebenwirkung, dass Patienten rasch und viel Gewicht zunehmen. Schwestern gesucht Die Wiener Studie wird sich vor allem dem Vergleich von Geschwistern widmen. "Da die genetischen Voraussetzungen bei Geschwistern sehr ähnlich sind, können wir hier den Anteil der Umweltfaktoren genauer bestimmen", sagt Karwautz. Vor allem lassen sich dabei jene Umweltfaktoren, die beide Geschwister treffen, etwa der Tod eines Elternteils, von jenen Faktoren trennen, die nur auf einen Geschwisterteil zutreffen. Die Ergebnisse der Studie sollen vor allem für die Prävention von Essstörungen Bedeutung haben. Die Wiener Untersuchung läuft seit März und nimmt noch StudienteilnehmerInnen auf. Gesucht werden Mädchen und Frauen, die an Magersucht, Ess-Brechsucht oder Übergewicht leiden oder früher einmal litten, und eine Schwester haben. Erforderlich sind nur ein Abstrich der Mundschleimhaut und zweieinhalb Stunden für einen Fragebogen. (hu) Kontakt: (0699) 110 32 606