Innsbruck - Nach fünfjähriger Tätigkeit hat die VP-SP-Regierung den bisherigen Tiroler Kinder- und Jugendanwalt Franz Preishuber einstimmig nicht wieder bestellt. Den Vorzug erhielt die 38-jährige Hauptschullehrerin und Juristin Elisabeth Harasser. "Skandalös" findet dies nicht nur Preishuber selbst, sondern auch Josef Aigner, Psychologe und einer von drei Wissenschaftern im Jugendwohlfahrtsbeirat. Aigner fühlt sich "gepflanzt", weil die Ergebnisse eines "stundenlangen Objektivierungsverfahrens" im Beirat negiert würden. Preishuber sei dabei eindeutig am besten eingestuft worden, Harasser nur auf Platz zwei. Als einziger hätte Preishuber strukturelle Komponenten in seinem Konzept vorgelegt, betont Aigner. Soziallandesrat Herbert Prock (SPÖ), selbst Mitglied des Beirats, begründet den Schwenk der Regierung mit Harassers juristischer Qualifikation, sowie damit, dass weibliche Missbrauchsopfer sich eher einer Frau anvertrauen würden. Preishuber hält dieser Argumentation entgegen, dass in der Anwaltschaft weibliches Personal für solche Fälle beschäftigt sei. Die Hauptaufgabe des Kinder-und Jugendanwalts sei Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Preishuber vermutet, dass man ihm u.a. sein klares Auftreten gegen "Prügellehrer" übel genommen haben könnte. Letzteres weist Prock ebenso zurück wie Gerüchte von Günstlingswirtschaft. Harasser, die gerade ihr Gerichtsjahr beendet und Preishuber bereits am 1. Juni nachfolgen wird, hat sich gegenüber den Medien eine einmonatige Schonfrist erbeten. Als Vorsitzende des Beirats beschränkt sich Richterin Andrea Wibmer-Stern darauf, die Rechtmäßigkeit der Vorgangsweise der Landesregierung zu bestätigen. Dies tut auch Sozialarbeiter Georg Sponring, fügt allerdings hinzu: "Wie geschickt es war, möchte ich nicht beurteilen." Aigner verlangt gemeinsam mit anderen Mitgliedern nun eine klärende Sondersitzung des Beirats. Es sei auch ein falsches Signal, die Kinder- und Jugendanwaltschaft mit der Rolle der Frau zu verknüpfen. Männer in öffentlichen pädagogischen Funktionen seien ein wichtiges Symbol dafür, dass auch Männer für Kinder "eine schützende Rolle spielen können und müssen", meint Aigner. (hs)