"Management ist die Kunst der Intervention", definiert Heinz K. Stahl, Professor an der Wiener Wirtschafts-Uni und wissenschaftlicher Leiter des Management Center Innsbruck.

Er sortierte Methoden und Moden im Management aus. Typisch für Moden, so Stahl: Eine positive Grundidee, die aber unzulässig überfrachtet, vermischt und falsch verstanden werde, dann meist zu Gegenbewegungen führe. Das gelte etwa für "Diversifikation", auf die "Rückbesinnung auf Kernkompetenzen folgte". Das gelte für die japanische Idee des "Lean Management", das in den USA und in Europa als "Downsizing der Belegschaft gründlich missverstanden wurde". Das gelte auch für "Kaizen", das als "Just-in-time" zu enormer Lagerhaltung der Endprodukte geführt habe. Auf taktisch durchgeführtes "Outsourcing" folge derzeit "Insourcing". Unternehmen wirft Stahl dabei auch einen "gewissen Nachahmungsdrang" vor.

Was als Trend definitiv groß anrollen werde, so Stahl zu dem rund 200-köpfigen Publikum im Festsaal der GPA in Wien: Six Sigma, Vernetzung, Virtualisierung (mit dem Hinterfragen des Werts der Zentrale), Diversity Management, Coaching & Mentoring, Employability und Work-Life-Balance, und: "Auch die Modeerscheinung Leadership wird uns nicht verlassen."

Dass Berater damit jeweils eine Menge Geld verdienen, blieb unwidersprochen. Dies auch, so die Analyse, weil Manager unter Druck gern in Aktionismus verfallen würden. "Alibiaktionen, um etwas getan zu haben", wie ausdem Publikum rückgemeldet wurde.

"Die Kommunikation bleibt auf der Strecke, die Leute werden vergessen", konstatiert Ingrid Stipanovsky, Betriebsratsvorsitzende der Novartis, "Ängste und Sorgen der Mitarbeiter haben keinen Platz." Wobei, so Bernd O. Kriegseisen, jetzt selbstständiger Unternehmensberater und zuvor in diversen Geschäftsführerfunktionen (etwa Bilderland, Stiefelkönig), die Einbindung der Belegschaftsvertretung in Veränderungsprozesse "ganz zentral" sei. Denn dort liege auch "enormes Wissen über das Unternehmen".

Dass Konzepte gegen den Widerstand der Belegschaft implementiert werden könnten, hielt das Podium für "unmöglich", wie Eva Angerler, Arbeitnehmerinteressenvertreterin in der GPA Wien und Autorin verschiedener Broschüren für die Betriebsratsunterstützung, sagte.

Kurze Verträge, Druck zu schnellen Ergebnissen und daraus resultierend Überforderung des Managements wurden konstatiert. Stahl sieht durchgängig "menschliche Defizite" in den Konzepten. Stipanovsky: "Die brauchen keine speziellen Leader-Seminare, sie müssten nur etwas ganz Einfaches tun: zuhören." Als Erfolg des Betriebsrats kristallisierte sich "nicht in Opposition gehen, sondern mitgestalten" heraus. (kbau, Der Standard, Printausgabe 25./26.2.2006)