Sestriere - Auch ÖOC-Präsident Leo Wallner (70) ist mit den sportlichen Resultaten Österreichs bei den XX. Winterspielen in Turin hochzufrieden. Der "Schatten", der durch den "Fall Mayer" auf Österreich gefallen ist, sei aber nicht wegzudiskutieren. Wallner empfiehlt im APA-Interview, sich in solchen Situationen künftig professioneller zu verhalten sowie in die Zukunft zu blicken. Eine Kompensation oder eine Entschuldigung des IOC, so Wallner, wird es auch dann nicht geben, wenn die Ergebnisse der Hausdurchsuchungen in österreichischen Olympia-Quartieren keinen Hinweis auf Doping bringen. (APA)Die Spiele sind fast zu Ende, ist alles oder nur fast alles gut?

Wallner: "Fast alles. Das Sportliche war einmalig, die Infrastruktur hat gepasst, die Pisten waren gut. Wir sind sehr froh über diese Spiele. Aber es ist natürlich ein großer Schatten auf Österreich gefallen."

Wie war das möglich?

Wallner: "Es ist ausgelöst worden durch jemand, wo wir nie angenommen hätten, das es ausgelöst werden kann. Es zeigt, wie sensibel auch im Sport etwas sein kann, auch wenn es mit dem Sport nichts zu tun hat. Wir müssen trachten, dass diese Sensibilität zurückgeht. Ich hoffe, es gelingt."

Die Reaktionen des IOC und der Behörden waren heftig wie noch nie.

Wallner: "Man ist sehr streng vorgegangen, das ist gut. Denn sonst wäre es perpetuiert worden. Die Art der Behörden ist man bei uns nicht gewohnt, deshalb kann man sie aber nicht verurteilen. Aber wir müssen reagieren und Maßnahmen setzen, damit es das nächste Mal in Peking nicht mehr passieren kann."

Das IOC sprach offiziell nie von einem "Dopingfall", warum dann trotzdem die ganze Aufregung?

Wallner: "Man hat die private Anwesenheit des Herrn Walter Mayer zu oft gesehen. Es war nicht opportun, dass er hier war. Dieser Meinung ist der Skiverband und auch wir."

Gerade vom ÖSV, der überragend für die Winter-Erfolge des ÖOC verantwortlich ist, gab es aber Kritik. Wie z.B. zu wenig Akkreditierungen für Betreuer und Ärzte. Sollte das IOC das Akkreditierungs-System überdenken?

Wallner: "Das ist eine Frage der Quantität. Wenn Österreich mehr Betreuer bekommt, kriegen das auch die anderen Länder. Wir hatten ohnehin eine Erleichterung durch die Übertragungen der Akkreditierungen. Natürlich wären wir glücklich, wenn wir mehr hätten. Aber die Frage hat mich sehr gewundert, es gab eigentlich keine echten Probleme."

Man hatte zwischendurch den Eindruck, dass zwischen dem ÖOC und ÖSV-Präsident Schröcksnadel, der auch ÖOC-Vizepräsident ist, die Spannungen beträchtlich sind.

Wallner: "Ich schätze Peter Schröcksnadel als Person sehr und ich schätze den Verband riesig. Wenn so ein riesiger Erfolg, der so stark auf den ÖSV zurückzuführen ist, also wenn wir da so kritisiert werden ist es klar, dass die Lunten durchbrennen. Man muss Gras darüber wachsen lassen, und zwar möglichst schnell."

Haben alle Beteiligten in den ersten Tagen überreagiert?

Wallner: "Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Es gibt diskrete und offizielle Gespräche. Wir werden schauen, dass dies in Zukunft besser eingehalten wird."

Warum hat es keinen Protest gegen die Vorgangsweise der italienischen Behörden gegeben?

Wallner: "Italien hat eine andere Gesetzeslage. Dass die Behörden um diese späte Zeit in die Häuser gekommen sind, können wir nicht verhindern. Ein Protest wäre also ins Leere gegangen. Es ist ja immer die Frage, ob man als Don Quijote oder anders in so etwas rein geht. Ich glaube, dass wir durch die Bildung einer Untersuchungskommission einen besseren Weg gegangen sind."

Wenn auch die Hausdurchsuchungen keinen Beweis für Doping bringen, ist eine Kompensation oder gar eine Entschuldigung des IOC vorstellbar? Wallner: "Ich habe noch nie gehört, dass sich ein Richter bei einem Freigesprochenen dafür entschuldigt, dass dieser angeklagt worden ist. Ich bin glücklich, dass es Machtaufteilungen und Zuständigkeiten gibt. Ich empfehle, nach den Normen vorzugehen und nicht zu verlangen, dass man sich zwanzigmal entschuldigt. Wenn etwas in die Zukunft hineinreicht, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Wenn nicht, ist es abgeschlossen. Eine Entschuldigung wird es nicht geben." (APA)